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Montag, 31. August 2015

Ready Player One






Ernest Cline
512 Seiten
Blanvalet Taschenbuch Verlag (20. Januar 2014)
EUR 9,99





Klappentext:

Im Jahr 2044 hat die reale Welt für Wade Watts nicht mehr viel zu bieten. Und so flieht er – wie die meisten Menschen – in das virtuelle Utopia von OASIS. Hier kann man leben, spielen und sich verlieben, ohne von der bedrückenden Realität abgelenkt zu werden. Da entdeckt Wade in einem Online-Game den ersten Hinweis auf einen unsagbar wertvollen Schatz, den der verstorbene Schöpfer der OASIS in seiner Cyber-Welt versteckt hat. Plötzlich ist Wade eine Berühmtheit, doch er gerät auch in das Visier eines Killerkommandos – in OASIS und in der Realität- Wade weiß, dass er diese Hetzjagd nur überleben kann, wenn er das Spiel bis zu seinem unvorhersehbaren Ende spielt.
Amazon


Inhalt:
Going outside is higly overrated (Anorak's Almanac)


Die Welt, die der Autor Ernest Cline zu Beginn seines Erstlingswerks schildert, ist wenig erstrebenswert. Eine Energiekrise hat das reale Leben auf der Welt erschüttert und die gesamte Infrastruktur lahm gelegt. Die meisten Menschen leben in bitterster Armut in sogenannten Stacks. Diese sind nichts anderes als Wohnwagensiedlungen, die jedoch aus Platzmangel nach oben gestapelt wurden. Dieses Ansammlungen von „Wohnungen“ sind nur durch gewagte Konstruktionen erreichbar und können ohne Vorwarnung in sich zusammenbrechen. Da ist es den Menschen nur Recht, dass es einen Zufluchtsort für sie gibt – die OASIS. Ein virtueller, unerschöpflicher Raum aus einer Vielzahl von Welten in denen die Menschen ihr gesamtes Leben verbringen können. Sie können dort alltägliche Dinge erledigen, wie arbeiten oder zur Schule gehen, aber auch Welten erschaffen, Rätsel lösen, Gegner besiegen und sich selbst neu erfinden. Auch der 18-jährige Wade Watts (Nein er ist keine Figur von Stan Lee) lebt mehr in der OASIS als im richtigen Leben und das, obwohl er kein Geld hat, um sich irgendetwas dort zu kaufen. So hockt sein Avatar Parzival nach der Schule auf dem Schulplaneten, da er sich keinen Transport leisten kann und träumt davon eines Tages das berühmte Easter Egg zu finden, welches Halliday, der Gründer der OASIS vor seinem Tod irgendwo in der unendlich erscheinenden virtuellen Welt platziert hatte. Dem Finder würde dann die gesamte OASIS gehören. Also beschäftigt sich Wade jede Minute mit den Filmen, Serien, Videospielen und Büchern der 80er Jahre, Halliday liebstes Jahrzehnt, immer mit der Hoffnung eines Tages einen Hinweis auf den geheimen Schatz zu finden. Als er plötzlich die entscheidenden Entdeckung für das erste Rätsel macht und diese Prüfung auch noch besteht, wird Wade (bzw. sein Avatar Parzival) mit einem Schlag berühmt. Obwohl dies eine Menge Geld einbringt und für ihn somit ungeahnte Möglichkeiten, bekommt Wade aber auch schnell die negativen Nebenwirkungen seiner neuen Berühmtheit am eigenen Leib zu spüren und muss nicht nur um sein eigenes Leben fürchten.
Dieser Roman ist eine Mischung aus Dystopie und Nostalgie versetzt mit Abenteuer, Spannung und die eine oder andere Wendung. Dabei ist die Verbindung aus der düsteren Zukunftsvision, mit Armut, Zwangsarbeit und Gehirnwäsche und dem Lebensgefühl der 80er mit den aufkommenden Videospielen, der Musik und den Filmen wirklich gut gelungen. In Kombination mit den übermächtigen Gegnern und dem ständigen Zeitdruck schafft es der Autor hier den Leser (fast) durchgehend zu fesseln. Leider beginnt der Roman jedoch sehr langatmig. Vieles wird erklärt, alle Hintergründe beschrieben und die Strukturen dargestellt. Dies soll als Einstieg dienen und das tut es auch. Danach weiß man über alles Bescheid und kann sich, ohne weitere Erklärungen ganz der Handlung hingeben. Leider kostet das aber über 100 sehr langatmige, ereignislose Seiten in denen man sich fragt, wann es denn endlich los geht. Dann plötzlich geht alles Schlag auf Schlag und man wird in die Geschichte hineingezogen, die einen dann bis zum Ende nicht mehr loslässt.
Wade ist ein typischer junger Erwachsener, der jedoch zu viel Zeit in einer nicht vorhandenen Realität verbringt, wodurch er das echte Leben vernachlässigt. Er besitzt keine realen Beziehungen und die wenigen Menschen mit denen er interagieren muss sind ihm egal oder er hegt für diese keinerlei freundlichen Gefühle. Die einzige nette Person in seinem realen Leben ist eine alte Nachbarin, die immer sehr liebenswert zu ihm ist. Sonst spielt sich Wades Leben ausschließlich in der OASIS ab. Zuerst ist er ein niemand. Ein armer Junge ohne Eltern der bei seiner fiesen Tante, die ihm nichts gönnt, in einer kleinen Ecken im Wohnwagen lebt. Kommt euch das auch bekannt vor?
Als er sich jedoch auf der Suche nach dem Easter Egg begibt und er seinem Ziel immer näher kommt, ist ihm, bis auf ein paar Ausnahmen, dass Glück wirklich hold. Sehr hold! Vieles, gerade das Easter Egg betreffend, läuft etwas zu glatt. Außerdem kennt sich Wade extrem gut mit allem aus, was in den 80ern eine Rolle spielte. Also wirklich mit allem! Für einen Jungen seines Alters doch sehr unrealistisch, selbst wenn er jede freie Minute sich mit diesem Thema beschäftigt. Es ist zum Beispiel doch gar nicht so leicht Filme auswendig zu können, außer man hat ein außergewöhnliches Gedächtnis. Da Wade allerdings nicht der einzige mit dieser Begabung ist, ganz im Gegenteil, fast jeder kann das, scheint diese Erklärung unrealistisch. Auch sonst scheint der Autor manchmal mit seinem Helden etwas über das Ziel hinausgeschossen zu sein, was dessen Talente betrifft, jedoch immer betonend, dass er eigentlich keine besitzt.
Trotz einiger Mängel ist Wade ein Held mit dem man sehr gut mitfiebern kann. Man möchte, dass er die Rätsel löst, dass er das Mädchen bekommt und gegen die große, böse Firma gewinnt, die nur aus Profitgier und mit unlauteren Mitteln nach dem Schatz sucht.Bei seinem Kampf stehen ihm seine Freunde zur Seite, sein bester Freund, den er leider nur aus der OASIS kennt, genauso wie sein heimlicher Schwarm. Art3mis ist eine starke, selbstbewusste Dame, die ihren eigenen Blog unterhält, den sie gerne mit bissigen Kommentaren füllt und einen starken Avatar hat. Jedoch hat sie auch ein Geheimnis und setzt alles daran, dieses zu wahren. Die letzten beiden wichtigen Figuren in diesem Buch sind die beiden japanischen Brüder, die nur gemeinsam kämpfen und Wades treusten Verbündeten werden. Alles in allem sind die Charaktere sehr gut ausgearbeitet, obwohl natürlich mehr in ihnen steckt, als Wade oder die Leser zuerst wissen. Vieles, was man für real hält ist in der Wirklichkeit dann so. 
Der Schreibstil ist angenehm, gut zu lesen und für ein Debütroman wirklich ausgefeilt und auf dem Punkt gebracht. 

Zusammengefasst ist diese Geschichte eigentlich als ein ein modernen Märchen zu betrachten. Wie es für Märchen üblich ist, gibt es den jungen Helden, der in tiefster Armut geboren wurde, doch plötzlich die Chance bekommt, sein Leben gänzlich zu verändern. Dabei muss er Gefahren bestehen, sich gegen die Bösen behaupten und bekommt als Belohnung die Prinzessin und das ganze Königreich dazu. Auch hier ist alles nur in Schwarz und Weiß gezeichnet. Es gibt die Guten auf der einen Seite und die Bösen auf der anderen. Dazwischen existiert nichts. Wir haben einen jungen Helden und seine Helfer, einen Zauberer, der sich aus dem Geschehen heraushält, bis es nicht mehr geht und einen König, der eigentlich an allem Schuld ist.

Fazit:

Dies ist ein Buch mit Mängeln. Es sind so viele, dass sie schwerlich zu übersehen sind. Über manche kann man gnädig hinwegsehen, an anderen nagt man schon etwas länger. Aber dennoch, ist dieses Buch es wert gelesen zu werden. Gerade von selbsternannter Gamern, Geeks und Nerds! Die Geschichte ist spannend und abwechslungsreich. Der Held ist, trotz seiner vielen Stärken und seinen paar Schwächen gelungen und für eine Geschichte aus der Ich-Perspektive gut gewählt. Die OASIS ist großartig und mit einer grenzenlosen Kreativität gestaltet, dass man sich nur zu gerne in sie einloggen möchte. Liebhaber der 80er werden genauso auf ihre Kosten kommen, wie Gamer, wenn die Nostalgiekeule wieder herausgeholt wird. Keine Sorge, diese trifft hier sehr oft und äußerst präzise. Dabei sind die Anspielungen jedoch nicht zu penetrant, sondern wurden auf spannende, humorvolle Weise in die Geschichte mit eingearbeitet. 


Copyright © Julia

Donnerstag, 9. Juli 2015

Tomorrow & Tomorrow







Thomas Carl Sweterlitsch 
 
480 Seiten 
Heyne Verlag (14. April 2015)
diezukunft.de - Edition







Beschreibung:

Ausgelöscht

Die nahe Zukunft. Vor zehn Jahren wurde bei einem Anschlag die Stadt Pittsburgh vollständig ausgelöscht. Mithilfe eines gewaltigen Datenarchivs konnte die Stadt jedoch als virtuelle Simulation wiederhergestellt werden. Hier ermittelt John Dominic Blaxton unaufgeklärte Verbrechen, und insbesondere ein Fall lässt ihn nicht los: Das Bild einer wunderschönen Frau, die ermordet wurde, wird offenbar aus dem Archiv und damit aus der virtuellen Realität gelöscht. Auf der Suche nach Antworten stolpert Dominic über eine grauenvolle Entdeckung …

Inhalt: 
 
Vor 10 Jahren hatte ein einzelner Mann mit einem einzelnen Koffer es geschafft eine gesamte Stadt auszulöschen. Mit einem Schlag verloren die Menschen ihr Zuhause, ihre Familie und Freunde. Zurück blieben ein verstrahltes Gebiet, Trauer und eine unerträgliche Leere. 
Auch John Dominic Blaxton hat an diesem Tag alles verloren und füllt seitdem jeden Tag mit Arbeit, die er nicht wirklich ausführt, Drogen und einem Programm das ihn in eine virtuelle Version des alten Pittsburghs und so zu seiner toten Frau bringt.

Das Buch spielt in einer alternativen Zukunft, die gar nicht mal so weit weg erscheint. Die Menschen tragen Geräte, die sogenannten Adware in ihrem Kopf, welche mit ihrem Gehirn verbunden sind und somit ständigen Zugang zum Internet gewähren. Diese Dinger können je nach geldlicher Aufwendung miserabel sein oder großartige Auflösung bieten und bestimmen das Leben der Menschen. Ständig blinken Werbungen auf, werden Sendungen gezeigt oder Reklame gemacht. Sobald mit den Augen etwas in deiner Umgebung angesehen oder fixiert wird, reagiert die Adware darauf. Der Autor schafft es diese ständig digitale Welt so gut darzustellen, dass man richtig Gänsehaut bekommt. Die Realität, die der Autor so konstruiert hat wirkt auf den Leser besonders erschreckend, da sie keineswegs weit weg erscheint. Die Welt ist sowieso schon weit digitalisiert, da erscheint dieser Schritt nicht mehr besonders groß. 
Die Medien werden immer brutaler, Sex ist allgegenwärtig. Menschen brauchen immer mehr Gewalt um unterhalten zu werden und es existieren Shows wie eine Misswahl, in der die fickwürdigste Leiche gewählt wird. 
Aber diese Adware hat auch einen anderen Zweck, sie lässt das ehemalige Pittsburgh für die User wiederenstehen. In einem Archiv wurden die Erinnerungen der Menschen eingespeichert und von dort aus lässt sie sich jederzeit abrufen und darin eintauchen, um alte Erinnerungen noch einmal aufleben zu lassen. Dies soll zur Trauerbewältigung dienen, hat aber mitunter auch gegenteilige Effekte. Es kann schwer fallen Dinge loszulassen, wenn man sie jeden Tag aufs neue erleben kann.
  
Die Geschichte selbst dreht sich voll und ganz um John Dominic Blaxton. Zwar treten einige Nebencharaktere auf, doch bleiben sie genau dies; Randfiguren einer sehr fixierten Geschichte. Dies ist aber keineswegs ein negativer Aspekt, da sie dennoch sehr interessante Nebenfiguren sind, die keineswegs platt wirken, sondern ihren Teil in der Story spielen. Doch dreht sich dieser Roman einfach voll und ganz um die Hauptperson und dieser füllt sie auch vollkommen aus. Blaxton ist ein netter Kerl, der jedoch einige Probleme hat. Zum einen lässt ihn ein alter Mordfall nicht los, zum anderen hat er auch zehn Jahre später noch immer mit dem Verlust seiner Frau zu kämpfen, deren Tod er einfach nicht verkraften und überwinden kann. Deshalb flüchtet er sich in das Archiv, wo er unter Drogeneinfluss die Erinnerungen an sie noch intensiver erleben will. Dies geht auch soweit gut, bis er unter starken Drogeneinfluss aufgegriffen wird, einen Entzug machen muss und gefeuert wird. Mit einem mal bekommt er ein fragwürdiges Jobangebot, er soll herausfinden, warum eine junge Frau aus dem Archiv gelöscht wird. Sofort ist er Feuer und Flamme für die wunderschöne Albion und begibt sich auf ihre Spuren. Dabei wird er immer tiefer in eine Verschwörung reingezogen, die ihn alles kosten könnte.
JD Blaxton ist ein sympathischer Charakter, trotz seiner Eskapaden und Drogenprobleme. Er ist freundlich, von Natur aus gutherzig und so hofft man für ihn, dass alles besser wird, obwohl er zugleich einige Fehler hat und auch macht. Dies lässt seine Figur realistisch und nachvollziehbar wirken. Er ist ein ganz normaler Mensch und bleibt dies auch bis zum Ende des Buches. Er wird kein Held, schafft es nie vollständig sich von seinen Problemen zu lösen und leidet fürchterlich. Alles Gründe ihn nervig zu finden, doch ganz im Gegenteil, man fühlt mit ihm mit. Dabei merkt man zuerst gar nicht, wie er äußerlich eigentlich gar nicht beschrieben wird. Man macht sich ein Bild von ihm, dass man (ich zumindest) zur Hälfte des Buches plötzlich völlig revidieren muss. Denn erst als die Adware nicht mehr sein Leben bestimmt, ich möchte nicht darauf eingehen, woran dies liegt, da es sich dann um einen Spoiler handeln würde, beginnt der Autor auch eine Beschreibung von ihm zu geben. Das ist sehr clever gemacht, denn es zeigt nur deutlicher, wie wenig Blaxtons Leben davor in der Realität gespielt hat. Er war vollkommen eingenommen von der Adware, so dass sein realer Körper für ihn gar nicht wirklich existiert hat.
Auch die anderen Figuren sind spannend dargestellt, allen voran Albion und Sue. Beide existieren eigentlich nur in dem Archiv und werden von Blaxton idealisiert, wie er auch seine Ehefrau und ihre gemeinsame Zeit idealisiert. Erst im Verlaufe des Buches und mit der Darstellung ihres jeweiligen realen Ichs, werden sie menschlicher und somit natürlich weniger perfekt. 
 
Dies ist nicht nur als eine Kritik an das Internet, sondern auch an die menschliche Erinnerung zu sehen. Wir idealisieren sehr gerne. Wir stellen uns Dinge besser vor als sie sind oder formen uns Figuren, die perfekt sind, obwohl dies natürlich niemals erreichbar ist. Menschen sind nicht perfekt und gerade dies macht sie menschlich. 
 
Der Thriller an sich ist zwar sehr spannend, bewegt sich aber auf gewohnten Bahnen. Nachdem Blaxton die ersten Fäden entwirrt hat, ergibt sich ein Bild, dass genauso gut in jedem anderen Thriller untergebracht werden konnte. Die Geschichte ist nicht das, was dieses zu etwas Besonderen macht. Es ist die extrem realistische Darstellung einer Zukunft, die nur einen kleinen Schritt vor uns liegt. Die wir erreichen, wenn wir nicht aufpassen. Die Kritik an eine digitale Welt, die völlig einnehmbar ist, die einem die Menschlichkeit nimmt, aber zur Selbstverständlichkeit mutiert ist. Außerdem behandelt er am Rande die Themen Religion, Trauerbewältigung und Terrorismus. Dabei hat mich die Darstellung des Anschlags aus der Sicht eines Überlebenden völlig eingenommen und war extrem bewegt. So das ich dies hier einmal hervorheben musste, da sich diese Szene in mein Erinnerung gebrannt hat.

Das Ende kam wenig überraschend, war aber dennoch befriedigend. Natürlich gibt es kein Happy End, bei dem plötzlich alles gut wird, aber es ist ein passendes Ende für dieses Buch.

Fazit: 
 
Mit persönlich hat das Buch sehr gut gefallen. Es ist ein Thriller, der in der Zukunft spielt, dabei aber dennoch so nah dran ist, dass man sich gut hineinversetzen kann. Das Setting in welcher die Geschichte spielt hat mich besonders beeindruckt. Diese extrem digitalisierte Welt, die von Gewalt und Sex beherrscht wird, in der es aber auch Lichtblicke, wie Kunst gibt, hat wirklich Eindruck bei mir hinterlassen. Dies ist nicht einfach ein Thriller oder eine Dystopie, sondern eine Kritik. 
Eine Kritik an den Medien, an das Internet und an die Menschen selbst. Es zeigt, wie schnell man sich verlieren kann, wenn man es nicht schafft loszulassen und wie alles in einen Abgrund gerissen wird, wenn sich von Vergangenen nicht lösen kann.
Ein wirklich spannendes, intensives Buch und eine echte Leseempfehlung, nicht nur für Fans von Dystopien.


Copyright © Julia



Freitag, 28. März 2014

Snowpiercer


Ich war gestern auf der Premiere von Snowpiercer und möchte euch diesen, für mich sehr besonderen Film, heute vorstellen. 
 
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Einsam zieht der riesige Zug seinen Kreis durch eine kalte Landschaft aus Schnee und Eis.


Mit Snowpiercer kommt eine etwas andere Comicverfilmung ins Kino. Die Graphic Novel auf welche dieser Film aufbaut stammt aus Frankreich, heißt Transperceneige und kommt aus dem Jahr 1984.
In nicht all zu ferner Zukunft wird die Klimaerwärmung zu einem immer drastischeren Problem. Um dieses zu bekämpfen, wurde der Versuch gestartet dies Erde abzukühlen. Jedoch misslang dies und stürzte die Welt in eine neue Eiszeit. 
Nur ein Mann hatte dies kommen sehen und schon lange vorher begonnen einen Zug zu bauen, der ewig fahren sollte. Ein in sich geschlossenes Ökosystem, dass unabhängig von der Welt draußen existieren konnte. So braust er immer weiter durch die eiskalte Welt, wobei er genau ein Jahr braucht, um die Strecke einmal komplett abzufahren. 
 
Der Zug ist in verschiedene Abteile geteilt. An der Spitze des Zuges befindet sich die heilige Maschine und deren Erbauer Wilford. Danach kommen die Abteile für die erste und zweite Klasse und ganz am Ende des Zuges befindet sich der Teil der dritten Klasse. Dort leben die Menschen in ständiger Angst und um ihr Überleben kämpfend. Um aus dieser Hölle zu entkommen, versucht Curtis und einige andere Männer zum vorderen Teil des Zuges zu gelangen, um ihre Unterdrücker zu stürzen. Auf diesem beengten Raum stehen ihnen aber nicht nur die einzelnen verschlossenen Tore im Weg, welche die Abteile voneinander trennen, sondern auch die Soldaten und ihre eigenen Probleme im Weg. 
 
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Zuerst muss man die absolute Starbesetzung dieses, aus Südkorea stammenden Films hervorheben. So spielt der Captain America Star Chris Evans hier den verbitterten Curtis, der versucht sich durch den Zug zu kämpen. Hier ungewohnt mit Bart und Mütze ist er kaum wieder zu erkennen. (Im Nachhinein wurde ich tatsächlich gefragt, wer denn von den Schauspielern Captain America gewesen sein soll) Er zeigt in diesem Film, dass mehr in ihm steckt, als nur ein Superheld in einem komischen Aufzug. 
Hinter ihm Reihen sich ein absolut fantastischer John Hurt, eine grandios böse Tilda Swinton und ein wunderbar widerlicher Ed Harris, den man im Gegensatz zu Tildas Rolle doch fast mögen könnte, in die Reihe der Starbesetzung an. Nur um ein paar aus der langen Liste herauszupicken. Mein absolutes Highlight für mich war Luke Pasqualino, der d'Artangan in der BBC Serie The Musketeers spielt.
Jedoch war die ganze Besetzung so großartig, dass alleine dies einen ganzen Artikel füllen könnte. Diese Schauspieler waren es auch, die die Schwächen des Filmes ausgleichten, von denen es doch einige gab. 
So gab es Stellen, welche einfach unlogisch waren (die Anzahl der Menschen im Zug und deren Verteilung) und andere die leider so schlecht animiert waren, das man nicht wusste ob man lachen oder weinen sollte (die Herstellung der Proteinblöcke). Gerade bei den Kämpfen war außerdem die Kameraführung teilweise extrem verwirrend und ruckelig, weshalb mir doch in einer Szene etwas schwummrig im Kopf wurde. Darüber hinaus war der Film doch sehr brutal, was auf zarte Gemüter schlagen könnte. 
Der Film selbst fängt sehr stark an und man war sofort in dieser beengten Welt des Zuges gefangen. Die Angst und Verzweiflung der Menschen war deutlich spürbar, ohne das viel darüber gesprochen werden musste. Auch der Kontrast zur Außenwelt war sehr gut dargestellt. Besonders die Bilder dieser eisigen, toten Landschaft war beeindruckend.
Leider verlor der Film irgendwann ein wenig an Fahrt und wurde von einem ICE eher zu einem Regionalzug. 
Das Finale war dann wieder sehr actionreich und spannend.
Der Schluss jedoch stimmte nachdenklich und wir hatten auch nach dem Ende noch sehr viel zum diskutieren.

Hier möchte ich einmal die Szene in der Schule hervorheben, die mich am stärksten beeindruckt und gleichzeitig verschreckt hat. Das ganze Abteil wirkte so friedlich, bunt und naiv und stellte somit einen kaum zu ertragenen Kontrast zu dem ganzen vorher gesehenen Zug dar. Die Kinder und vor allem die Lehrerin waren so widerlich süß, dass sie genauso gut aus einem Horrorfilm stammen konnten. Diese Szene macht die Besonderheit dieses Films am deutlichsten, da sie am stärksten zeigt, wie krass der Kontrast zwischen den einzelnen Klassen ist und wie die Kinder manipuliert werden, um das zu glauben, was das System ihnen einflößt. Ein erschreckend realistisches Bild. 

Mir persönlich hat der Film trotz seiner Schwächen sehr gut gefallen. Man konnte mit den Hauptpersonen mitfühlen und sie gleichzeitig verachten. Besonders Curtis hat bei mir eine Achterbahn der Gefühle ausgelöst. Der Film zeigt, dass Menschen nicht nur gut oder schlecht sind und das die Umstände uns stärker beeinflussen als wir eigentlich denken. Man spürt den Film seine koreanischen Wurzeln an und den Regisseur Bong Joon-ho an. Darüber hinaus ist der Film eine Hommage an das Videospiel und einem solchen doch sehr nachempfunden. 
Alles in allem hat mir der Film doch sehr gut gefallen und ich würde ihn jedem empfehlen, der anspruchsvolles Kino genießen möchte, aber nicht vor der Darstellung von Gewalt zurückschreckt. Ich möchte noch einmal betonen, dass allein für die Darsteller, meines Erachtens, ein Besuch sich schon lohnt. 


  Copyright © Julia

 

Donnerstag, 12. Dezember 2013

Das Labyrinth erwacht

Rainer Wekwerth 
407 Seiten
Arena (Januar 2013)



Das Labyrinth. Es denkt. Es ist bösartig.
Sieben Jugendliche werden durch Raum und Zeit versetzt.
Sie wissen nicht mehr, wer sie einmal waren.
Aber das Labyrinth kennt sie.
Jagt sie.
Es gibt nur eine einzige Botschaft an jeden von ihnen:

Du hast zweiundsiebzig Stunden Zeit das nächste Tor zu erreichen oder du stirbst.
Problem Nummer Eins, es gibt nur sechs Tore.
Problem Nummer Zwei, ihr seid nicht allein.



Beschreibung:

 

Jenna erwacht nackt auf einer fremden Ebene, ohne Erinnerung. Vor ihr steht ein junge, ungefähr in ihrem Alter, der ihr erklärt, dass sie sich beeilen soll, da sie die anderen finden müssen. Insgesamt sind es nämlich sieben völlig unterschiedliche Jugendliche, die sich alle ohne Erinnerung an ihr früheres Leben in dieser fremden Welt wieder finden.
Ihr Ziel ist es, die Tore zu erreichen, die sie aus dieser Welt entkommen lassen. Doch erfahren sie auch, dass es nur sechs Tore gibt und das hinter diesen eine neue Welt wartet, in der es jedoch nur noch fünf Tore gibt usw. Nur einer kann es endgültig herausschaffen, die anderen müssen sterben. Schnell bilden sich Feindschaften und Allianzen, doch nicht alle spielen fair.
So bahnen sie sich gemeinsam ihren Weg durch die fremde Welt, immer mit dem wissen, dass die Zeit läuft, einer zurückbleiben muss und etwas sie verfolgt, nur mit dem Verlangen sie zu töten. Währenddessen versuchen sie auch noch herauszufinden, wer sie wirklich sind und was sie getan haben, um hier her zu gelangen. Dann plötzlich verstaucht Jenna sich den Knöchel und kann nicht mehr weiter gehen.


Inhalt:

 

Obwohl hier die Sicht einer jeden Person dargestellt wird, beginnt man jedoch schnell seine Lieblinge herauszufiltern.
So sind vor allem der Anführer Jeb, der diese Aufgabe gar nicht will und die freundliche, besonne Jenna besonders sympathisch, auch da sich zwischen ihnen eine zarte Liebesgeschichte entwickelt, welche die Geschichte maßgeblich beeinflusst. Dagegen wirkt Kathy und das soll sie auch, besonders unsympathisch. Manchmal ist dies, meiner Meinung nach, sogar etwas zu heftig dargestellt. Man soll sie regelrecht hassen und ich mag es nicht, wenn ein Autor mir meine Gefühle so klar diktieren will.
León wirkt kämpferisch, kaltherzig und aufrührerisch, ist aber ein treuer und stolzer Freund, der seine Gefährten nicht einfach zurücklässt. Mary ist die zurückhaltende, die nicht wirklich mit der Gruppe mithalten kann, weshalb die Mitglieder und der Leser selbst ein gewissen Beschützerinstinkt ihr gegenüber entwickelt. Ähnlich ist es bei Tian, der, im Gegensatz zu Mary, aber häufiger jammert und ein Spielball zwischen ihnen wird. Der letzte in der Gruppe ist der ruhige, aber unglaublich freundliche und sympathische Mischa, hinter dem mehr steckt, als man zuerst vermuten würde. Alle Charaktere, Kathy ausgenommen, waren gut dargestellt und nicht überzeichnet. Sie haben alle positive und negative Eigenschaften und man lernt einige wirklich zu lieben, umso trauriger ist der Umstand, dass man weiß, dass man sie mit der Zeit verlieren wird. Man fühlt sich in sie hinein und fragt sich, was sie getan haben mussten, eine solche Strafe zu verdienen.

Die Geschichte beginnt bereits unglaublich spannend, dadurch, dass man genauso wie die Figuren vollkommen ohne Informationen dasteht. Hier kommen mehrere Komponenten zusammen, die dies zu einem temporeichen Thriller machen, der in keinem Moment langweilig wird. Zum einen, ist das die fremde Welt selbst, (die erste ist eine Steppe der an einen Wald angrenzt, die zweite ist eine Schneestadt) bei der man sich fragt, wo sich diese befindet und was wohl dort geschehen ist. Die zweite Komponente ist der Gedächtnisverlust und die wenigen Erinnerungsstücke die mit der Zeit wieder auftauchen. So erfährt man etwas über ihre Vergangenheit, jedoch werfen diese meist noch mehr Fragen auf. Dann werden sie von komischen Wesen gejagt, die keine richtige Form zu haben scheinen und nichts anderes im Sinn haben, als sie zu töten. Dazu kommt noch die Sache mit der ablaufenden Zeit und den Toren, von denen es immer eines zu wenig gibt. All dies verbindet der Autor so grandios, dass man regelrecht gefesselt ist und einfach nicht anders kann, als die nächste Seite zu lesen.

Der Schreibstil ist einfach, spannend und gut verständlich. Man merkt, dass es sich hier um einen deutschen Autor handelt, was aber keinerlei Kritik bedeutet. Er hat es geschafft, die Liebesgeschichte zwischen Jeb und Jenna auf einige Blicke und wenige Worte auf wunderschöne Weise zu beschreiben, so wie die Veränderung bei León darzustellen ( Was ich damit meine sage ich nicht, da müsst ihr das Buch schon lesen) ohne das es zu kitschig oder gestellt rüber kommt. Das Buch endet, ziemlich gemein, mit einem üblen Cliffhanger und ich schleiche schon um den zweiten Band herum, der bereits in meinem Regal steht, da ich nicht weiß, wie ich sonst die zeit bis zum dritten Band überstehen soll.


Fazit:

 

Meine Mutter hatte mir dieses Buch in die Hand gedrückt und gesagt, das musst du lesen!!
Zu diesem Zeitpunkt wusste ich jedoch schon, dass es sich um eine Reihe handelte, welche ich eigentlich aus Prinzip schon umgehen möchte. 
Ich wurde bis jetzt von jeder (!) Reihe (Besonders, wenn es sich um drei Teile handelt) enttäuscht. Dies gilt besonders für Dystopien. (Zuletzt: Panem, Die Auswahl...) Dennoch habe ich es zur Hand genommen und habe das Buch innerhalb eines Tages verschlungen. Ich liebe das Thema, das Unwissen und den Thrilleraspekt. Mir hat an diesem Buch einfach alles gefallen und ich könnte wirklich keinen Kritikpunkt finden. Umso ängstlicher bin ich auf Band 2 eingestellt, da dieser Teil doch der ist, der mich bis jetzt immer enttäuschtw. Nun wir werden sehen. Ich werde den zweiten Band demnächst in Angriff nehmen und euch dann davon berichten.

Dieses Buch jedoch sollte man unbedingt gelesen haben!


Was haltet ihr von Dystopien? Welche mochtet ihr und welche gar nicht? 
  

Copyright © Julia