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Montag, 31. August 2015

Ready Player One






Ernest Cline
512 Seiten
Blanvalet Taschenbuch Verlag (20. Januar 2014)
EUR 9,99





Klappentext:

Im Jahr 2044 hat die reale Welt für Wade Watts nicht mehr viel zu bieten. Und so flieht er – wie die meisten Menschen – in das virtuelle Utopia von OASIS. Hier kann man leben, spielen und sich verlieben, ohne von der bedrückenden Realität abgelenkt zu werden. Da entdeckt Wade in einem Online-Game den ersten Hinweis auf einen unsagbar wertvollen Schatz, den der verstorbene Schöpfer der OASIS in seiner Cyber-Welt versteckt hat. Plötzlich ist Wade eine Berühmtheit, doch er gerät auch in das Visier eines Killerkommandos – in OASIS und in der Realität- Wade weiß, dass er diese Hetzjagd nur überleben kann, wenn er das Spiel bis zu seinem unvorhersehbaren Ende spielt.
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Inhalt:
Going outside is higly overrated (Anorak's Almanac)


Die Welt, die der Autor Ernest Cline zu Beginn seines Erstlingswerks schildert, ist wenig erstrebenswert. Eine Energiekrise hat das reale Leben auf der Welt erschüttert und die gesamte Infrastruktur lahm gelegt. Die meisten Menschen leben in bitterster Armut in sogenannten Stacks. Diese sind nichts anderes als Wohnwagensiedlungen, die jedoch aus Platzmangel nach oben gestapelt wurden. Dieses Ansammlungen von „Wohnungen“ sind nur durch gewagte Konstruktionen erreichbar und können ohne Vorwarnung in sich zusammenbrechen. Da ist es den Menschen nur Recht, dass es einen Zufluchtsort für sie gibt – die OASIS. Ein virtueller, unerschöpflicher Raum aus einer Vielzahl von Welten in denen die Menschen ihr gesamtes Leben verbringen können. Sie können dort alltägliche Dinge erledigen, wie arbeiten oder zur Schule gehen, aber auch Welten erschaffen, Rätsel lösen, Gegner besiegen und sich selbst neu erfinden. Auch der 18-jährige Wade Watts (Nein er ist keine Figur von Stan Lee) lebt mehr in der OASIS als im richtigen Leben und das, obwohl er kein Geld hat, um sich irgendetwas dort zu kaufen. So hockt sein Avatar Parzival nach der Schule auf dem Schulplaneten, da er sich keinen Transport leisten kann und träumt davon eines Tages das berühmte Easter Egg zu finden, welches Halliday, der Gründer der OASIS vor seinem Tod irgendwo in der unendlich erscheinenden virtuellen Welt platziert hatte. Dem Finder würde dann die gesamte OASIS gehören. Also beschäftigt sich Wade jede Minute mit den Filmen, Serien, Videospielen und Büchern der 80er Jahre, Halliday liebstes Jahrzehnt, immer mit der Hoffnung eines Tages einen Hinweis auf den geheimen Schatz zu finden. Als er plötzlich die entscheidenden Entdeckung für das erste Rätsel macht und diese Prüfung auch noch besteht, wird Wade (bzw. sein Avatar Parzival) mit einem Schlag berühmt. Obwohl dies eine Menge Geld einbringt und für ihn somit ungeahnte Möglichkeiten, bekommt Wade aber auch schnell die negativen Nebenwirkungen seiner neuen Berühmtheit am eigenen Leib zu spüren und muss nicht nur um sein eigenes Leben fürchten.
Dieser Roman ist eine Mischung aus Dystopie und Nostalgie versetzt mit Abenteuer, Spannung und die eine oder andere Wendung. Dabei ist die Verbindung aus der düsteren Zukunftsvision, mit Armut, Zwangsarbeit und Gehirnwäsche und dem Lebensgefühl der 80er mit den aufkommenden Videospielen, der Musik und den Filmen wirklich gut gelungen. In Kombination mit den übermächtigen Gegnern und dem ständigen Zeitdruck schafft es der Autor hier den Leser (fast) durchgehend zu fesseln. Leider beginnt der Roman jedoch sehr langatmig. Vieles wird erklärt, alle Hintergründe beschrieben und die Strukturen dargestellt. Dies soll als Einstieg dienen und das tut es auch. Danach weiß man über alles Bescheid und kann sich, ohne weitere Erklärungen ganz der Handlung hingeben. Leider kostet das aber über 100 sehr langatmige, ereignislose Seiten in denen man sich fragt, wann es denn endlich los geht. Dann plötzlich geht alles Schlag auf Schlag und man wird in die Geschichte hineingezogen, die einen dann bis zum Ende nicht mehr loslässt.
Wade ist ein typischer junger Erwachsener, der jedoch zu viel Zeit in einer nicht vorhandenen Realität verbringt, wodurch er das echte Leben vernachlässigt. Er besitzt keine realen Beziehungen und die wenigen Menschen mit denen er interagieren muss sind ihm egal oder er hegt für diese keinerlei freundlichen Gefühle. Die einzige nette Person in seinem realen Leben ist eine alte Nachbarin, die immer sehr liebenswert zu ihm ist. Sonst spielt sich Wades Leben ausschließlich in der OASIS ab. Zuerst ist er ein niemand. Ein armer Junge ohne Eltern der bei seiner fiesen Tante, die ihm nichts gönnt, in einer kleinen Ecken im Wohnwagen lebt. Kommt euch das auch bekannt vor?
Als er sich jedoch auf der Suche nach dem Easter Egg begibt und er seinem Ziel immer näher kommt, ist ihm, bis auf ein paar Ausnahmen, dass Glück wirklich hold. Sehr hold! Vieles, gerade das Easter Egg betreffend, läuft etwas zu glatt. Außerdem kennt sich Wade extrem gut mit allem aus, was in den 80ern eine Rolle spielte. Also wirklich mit allem! Für einen Jungen seines Alters doch sehr unrealistisch, selbst wenn er jede freie Minute sich mit diesem Thema beschäftigt. Es ist zum Beispiel doch gar nicht so leicht Filme auswendig zu können, außer man hat ein außergewöhnliches Gedächtnis. Da Wade allerdings nicht der einzige mit dieser Begabung ist, ganz im Gegenteil, fast jeder kann das, scheint diese Erklärung unrealistisch. Auch sonst scheint der Autor manchmal mit seinem Helden etwas über das Ziel hinausgeschossen zu sein, was dessen Talente betrifft, jedoch immer betonend, dass er eigentlich keine besitzt.
Trotz einiger Mängel ist Wade ein Held mit dem man sehr gut mitfiebern kann. Man möchte, dass er die Rätsel löst, dass er das Mädchen bekommt und gegen die große, böse Firma gewinnt, die nur aus Profitgier und mit unlauteren Mitteln nach dem Schatz sucht.Bei seinem Kampf stehen ihm seine Freunde zur Seite, sein bester Freund, den er leider nur aus der OASIS kennt, genauso wie sein heimlicher Schwarm. Art3mis ist eine starke, selbstbewusste Dame, die ihren eigenen Blog unterhält, den sie gerne mit bissigen Kommentaren füllt und einen starken Avatar hat. Jedoch hat sie auch ein Geheimnis und setzt alles daran, dieses zu wahren. Die letzten beiden wichtigen Figuren in diesem Buch sind die beiden japanischen Brüder, die nur gemeinsam kämpfen und Wades treusten Verbündeten werden. Alles in allem sind die Charaktere sehr gut ausgearbeitet, obwohl natürlich mehr in ihnen steckt, als Wade oder die Leser zuerst wissen. Vieles, was man für real hält ist in der Wirklichkeit dann so. 
Der Schreibstil ist angenehm, gut zu lesen und für ein Debütroman wirklich ausgefeilt und auf dem Punkt gebracht. 

Zusammengefasst ist diese Geschichte eigentlich als ein ein modernen Märchen zu betrachten. Wie es für Märchen üblich ist, gibt es den jungen Helden, der in tiefster Armut geboren wurde, doch plötzlich die Chance bekommt, sein Leben gänzlich zu verändern. Dabei muss er Gefahren bestehen, sich gegen die Bösen behaupten und bekommt als Belohnung die Prinzessin und das ganze Königreich dazu. Auch hier ist alles nur in Schwarz und Weiß gezeichnet. Es gibt die Guten auf der einen Seite und die Bösen auf der anderen. Dazwischen existiert nichts. Wir haben einen jungen Helden und seine Helfer, einen Zauberer, der sich aus dem Geschehen heraushält, bis es nicht mehr geht und einen König, der eigentlich an allem Schuld ist.

Fazit:

Dies ist ein Buch mit Mängeln. Es sind so viele, dass sie schwerlich zu übersehen sind. Über manche kann man gnädig hinwegsehen, an anderen nagt man schon etwas länger. Aber dennoch, ist dieses Buch es wert gelesen zu werden. Gerade von selbsternannter Gamern, Geeks und Nerds! Die Geschichte ist spannend und abwechslungsreich. Der Held ist, trotz seiner vielen Stärken und seinen paar Schwächen gelungen und für eine Geschichte aus der Ich-Perspektive gut gewählt. Die OASIS ist großartig und mit einer grenzenlosen Kreativität gestaltet, dass man sich nur zu gerne in sie einloggen möchte. Liebhaber der 80er werden genauso auf ihre Kosten kommen, wie Gamer, wenn die Nostalgiekeule wieder herausgeholt wird. Keine Sorge, diese trifft hier sehr oft und äußerst präzise. Dabei sind die Anspielungen jedoch nicht zu penetrant, sondern wurden auf spannende, humorvolle Weise in die Geschichte mit eingearbeitet. 


Copyright © Julia

Donnerstag, 9. Juli 2015

Tomorrow & Tomorrow







Thomas Carl Sweterlitsch 
 
480 Seiten 
Heyne Verlag (14. April 2015)
diezukunft.de - Edition







Beschreibung:

Ausgelöscht

Die nahe Zukunft. Vor zehn Jahren wurde bei einem Anschlag die Stadt Pittsburgh vollständig ausgelöscht. Mithilfe eines gewaltigen Datenarchivs konnte die Stadt jedoch als virtuelle Simulation wiederhergestellt werden. Hier ermittelt John Dominic Blaxton unaufgeklärte Verbrechen, und insbesondere ein Fall lässt ihn nicht los: Das Bild einer wunderschönen Frau, die ermordet wurde, wird offenbar aus dem Archiv und damit aus der virtuellen Realität gelöscht. Auf der Suche nach Antworten stolpert Dominic über eine grauenvolle Entdeckung …

Inhalt: 
 
Vor 10 Jahren hatte ein einzelner Mann mit einem einzelnen Koffer es geschafft eine gesamte Stadt auszulöschen. Mit einem Schlag verloren die Menschen ihr Zuhause, ihre Familie und Freunde. Zurück blieben ein verstrahltes Gebiet, Trauer und eine unerträgliche Leere. 
Auch John Dominic Blaxton hat an diesem Tag alles verloren und füllt seitdem jeden Tag mit Arbeit, die er nicht wirklich ausführt, Drogen und einem Programm das ihn in eine virtuelle Version des alten Pittsburghs und so zu seiner toten Frau bringt.

Das Buch spielt in einer alternativen Zukunft, die gar nicht mal so weit weg erscheint. Die Menschen tragen Geräte, die sogenannten Adware in ihrem Kopf, welche mit ihrem Gehirn verbunden sind und somit ständigen Zugang zum Internet gewähren. Diese Dinger können je nach geldlicher Aufwendung miserabel sein oder großartige Auflösung bieten und bestimmen das Leben der Menschen. Ständig blinken Werbungen auf, werden Sendungen gezeigt oder Reklame gemacht. Sobald mit den Augen etwas in deiner Umgebung angesehen oder fixiert wird, reagiert die Adware darauf. Der Autor schafft es diese ständig digitale Welt so gut darzustellen, dass man richtig Gänsehaut bekommt. Die Realität, die der Autor so konstruiert hat wirkt auf den Leser besonders erschreckend, da sie keineswegs weit weg erscheint. Die Welt ist sowieso schon weit digitalisiert, da erscheint dieser Schritt nicht mehr besonders groß. 
Die Medien werden immer brutaler, Sex ist allgegenwärtig. Menschen brauchen immer mehr Gewalt um unterhalten zu werden und es existieren Shows wie eine Misswahl, in der die fickwürdigste Leiche gewählt wird. 
Aber diese Adware hat auch einen anderen Zweck, sie lässt das ehemalige Pittsburgh für die User wiederenstehen. In einem Archiv wurden die Erinnerungen der Menschen eingespeichert und von dort aus lässt sie sich jederzeit abrufen und darin eintauchen, um alte Erinnerungen noch einmal aufleben zu lassen. Dies soll zur Trauerbewältigung dienen, hat aber mitunter auch gegenteilige Effekte. Es kann schwer fallen Dinge loszulassen, wenn man sie jeden Tag aufs neue erleben kann.
  
Die Geschichte selbst dreht sich voll und ganz um John Dominic Blaxton. Zwar treten einige Nebencharaktere auf, doch bleiben sie genau dies; Randfiguren einer sehr fixierten Geschichte. Dies ist aber keineswegs ein negativer Aspekt, da sie dennoch sehr interessante Nebenfiguren sind, die keineswegs platt wirken, sondern ihren Teil in der Story spielen. Doch dreht sich dieser Roman einfach voll und ganz um die Hauptperson und dieser füllt sie auch vollkommen aus. Blaxton ist ein netter Kerl, der jedoch einige Probleme hat. Zum einen lässt ihn ein alter Mordfall nicht los, zum anderen hat er auch zehn Jahre später noch immer mit dem Verlust seiner Frau zu kämpfen, deren Tod er einfach nicht verkraften und überwinden kann. Deshalb flüchtet er sich in das Archiv, wo er unter Drogeneinfluss die Erinnerungen an sie noch intensiver erleben will. Dies geht auch soweit gut, bis er unter starken Drogeneinfluss aufgegriffen wird, einen Entzug machen muss und gefeuert wird. Mit einem mal bekommt er ein fragwürdiges Jobangebot, er soll herausfinden, warum eine junge Frau aus dem Archiv gelöscht wird. Sofort ist er Feuer und Flamme für die wunderschöne Albion und begibt sich auf ihre Spuren. Dabei wird er immer tiefer in eine Verschwörung reingezogen, die ihn alles kosten könnte.
JD Blaxton ist ein sympathischer Charakter, trotz seiner Eskapaden und Drogenprobleme. Er ist freundlich, von Natur aus gutherzig und so hofft man für ihn, dass alles besser wird, obwohl er zugleich einige Fehler hat und auch macht. Dies lässt seine Figur realistisch und nachvollziehbar wirken. Er ist ein ganz normaler Mensch und bleibt dies auch bis zum Ende des Buches. Er wird kein Held, schafft es nie vollständig sich von seinen Problemen zu lösen und leidet fürchterlich. Alles Gründe ihn nervig zu finden, doch ganz im Gegenteil, man fühlt mit ihm mit. Dabei merkt man zuerst gar nicht, wie er äußerlich eigentlich gar nicht beschrieben wird. Man macht sich ein Bild von ihm, dass man (ich zumindest) zur Hälfte des Buches plötzlich völlig revidieren muss. Denn erst als die Adware nicht mehr sein Leben bestimmt, ich möchte nicht darauf eingehen, woran dies liegt, da es sich dann um einen Spoiler handeln würde, beginnt der Autor auch eine Beschreibung von ihm zu geben. Das ist sehr clever gemacht, denn es zeigt nur deutlicher, wie wenig Blaxtons Leben davor in der Realität gespielt hat. Er war vollkommen eingenommen von der Adware, so dass sein realer Körper für ihn gar nicht wirklich existiert hat.
Auch die anderen Figuren sind spannend dargestellt, allen voran Albion und Sue. Beide existieren eigentlich nur in dem Archiv und werden von Blaxton idealisiert, wie er auch seine Ehefrau und ihre gemeinsame Zeit idealisiert. Erst im Verlaufe des Buches und mit der Darstellung ihres jeweiligen realen Ichs, werden sie menschlicher und somit natürlich weniger perfekt. 
 
Dies ist nicht nur als eine Kritik an das Internet, sondern auch an die menschliche Erinnerung zu sehen. Wir idealisieren sehr gerne. Wir stellen uns Dinge besser vor als sie sind oder formen uns Figuren, die perfekt sind, obwohl dies natürlich niemals erreichbar ist. Menschen sind nicht perfekt und gerade dies macht sie menschlich. 
 
Der Thriller an sich ist zwar sehr spannend, bewegt sich aber auf gewohnten Bahnen. Nachdem Blaxton die ersten Fäden entwirrt hat, ergibt sich ein Bild, dass genauso gut in jedem anderen Thriller untergebracht werden konnte. Die Geschichte ist nicht das, was dieses zu etwas Besonderen macht. Es ist die extrem realistische Darstellung einer Zukunft, die nur einen kleinen Schritt vor uns liegt. Die wir erreichen, wenn wir nicht aufpassen. Die Kritik an eine digitale Welt, die völlig einnehmbar ist, die einem die Menschlichkeit nimmt, aber zur Selbstverständlichkeit mutiert ist. Außerdem behandelt er am Rande die Themen Religion, Trauerbewältigung und Terrorismus. Dabei hat mich die Darstellung des Anschlags aus der Sicht eines Überlebenden völlig eingenommen und war extrem bewegt. So das ich dies hier einmal hervorheben musste, da sich diese Szene in mein Erinnerung gebrannt hat.

Das Ende kam wenig überraschend, war aber dennoch befriedigend. Natürlich gibt es kein Happy End, bei dem plötzlich alles gut wird, aber es ist ein passendes Ende für dieses Buch.

Fazit: 
 
Mit persönlich hat das Buch sehr gut gefallen. Es ist ein Thriller, der in der Zukunft spielt, dabei aber dennoch so nah dran ist, dass man sich gut hineinversetzen kann. Das Setting in welcher die Geschichte spielt hat mich besonders beeindruckt. Diese extrem digitalisierte Welt, die von Gewalt und Sex beherrscht wird, in der es aber auch Lichtblicke, wie Kunst gibt, hat wirklich Eindruck bei mir hinterlassen. Dies ist nicht einfach ein Thriller oder eine Dystopie, sondern eine Kritik. 
Eine Kritik an den Medien, an das Internet und an die Menschen selbst. Es zeigt, wie schnell man sich verlieren kann, wenn man es nicht schafft loszulassen und wie alles in einen Abgrund gerissen wird, wenn sich von Vergangenen nicht lösen kann.
Ein wirklich spannendes, intensives Buch und eine echte Leseempfehlung, nicht nur für Fans von Dystopien.


Copyright © Julia



Dienstag, 30. Juni 2015

Traumlieder 3




  


George R.R. Martin
832 Seiten  
Heyne Verlag (11. Mai 2015)







 
 Bescheibung

Die Krönung in der einzigartigen Sammlung der besten Storys vom Meister der Fantastik

George R. R. Martin, einer der erfolgreichsten Fantasy-Autoren aller Zeiten, hat mit seinem mehrbändigen Epos »Game of Thrones« ohne Zweifel die moderne Fantastik revolutioniert. Dass er auch andere Gattungen beherrscht, beweist er in seinen »Traumlieder«-Bänden, in denen seine besten Fantasy- und Science-Fiction-Storys zusammengefasst sind. Ein Ausflug in die atemberaubende Welt von Twilight Zone und ein Wiedersehen mit Haviland Tuf, dem unwiderstehlichen Helden aus George R. R. Martins Bestseller »Planetenwanderer« sowie zahlreiche weitere Erzählungen machen »Traumlieder 3« zum krönenden Abschluss einer einzigartigen George-R.-R.-Martin-Retrospektive . 
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Inhalt

Wie die letzten beiden Bände findet auch hier eine Dreiteilung statt. Der erste Teil beinhaltet zwei Drehbücher, eines wurde zu einer, leider sehr gekürzten Fassung, Folge von The Twilight Zone, das andere schaffte es leider nicht auf den Bildschirm, aber darauf gehe ich später nochmal ein. Im mittleren Teil erzählt George R.R. Martin wie es zu der, in Amerika sehr beliebten Reihe Wild Cards kam, die auch in Deutschland bereits zwei Veröffentlichungen hat. Aus dieser Serie hat er zwei Geschichten herausgepickt. Der dritte Teil hat, anders als sonst, keinen roten Faden, sondern ist eine Ansammlung verschiedenster Geschichten. Aus der deutschen Version wurde Der Heckenritter aus dem Band gestrichen und durch eine Rede, welche er bei der World Science Fiction Convention im August 2003 in Toronto gehalten hatte, ersetzt, da diese gerade ebenfalls in Deutschland als Werk herausgebracht wurde. Über diese Entscheidung kann man denken, was man möchte, jedoch lasse ich dies nicht in meine Bewertung mit einfließen, die wie bei den letzten Bändern durchweg positiv ist. Gekrönt wird jeder Abschnitt mit einer kurzen, persönlichen Zusammenfassung seines Lebens und die Hintergründe und Entstehungsgeschichten einiger Geschichten. So erzählt er im ersten Teil, dass GoT keineswegs seine erster Ausflug ins Filmbusiness war und wie mühsam der Weg nach Hollywood ist. Im zweiten Abschnitt wird erzählt, wie ein Spiel unter Freunden zu einer der coolsten Superheldenreihe überhaupt wurde. Im letzten Teil, der mir besonders gut gefallen hat, da er dort auf die Klassifizierung von Genres eingeht, sich fragt in wie fern diese sinnvoll und und den Kern aller Geschichten aufdeckt. 

>>Wir können uns alle möglichen Definitionen für die Science-Fiction-, Fantasy- und Horror-Literatur ausdenken. Wir können Grenzen ziehen und Etiketten beschriften, doch am Ende kommt immer die gleiche alte Geschichte raus, die vom Herz des Menschen im Widerstreit mit sich selbst handelt.<<


Wie bei den letzten Malen, werde ich auch dieses Mal ein paar Geschichten heraussuchen, die einen besonderen Eindruck bei mir hinterlassen haben und näher darauf eingehen, aber zum Schluss dennoch nochmal auf das gesamte Buch im Rückblick zu den anderen beiden Bänden eingehen.

Es ist sehr schade, wenn man eine spannende Idee, eine gut durchdachte, funktionierende Geschichte und ausgeklügelte Drehbücher hat und die Serie es dennoch nicht ins Programm schafft. Dann liegt dies zumeist am Network, am Timing oder wie in diesem Fall, an beidem. Doowarys, das zweite der beiden Drehbücher, hat es leider niemals geschafft verfilmt zu werden, was wirklich sehr schade ist, denn bereits beim Lesen des ersten Drehbuches merkt man, dass diese wirklich Potenzial gehabt hätte. Die Geschichte ist von der Kurzgeschichte Die einsamen Lieder Laren Dorrs, welches im zweiten Band zu finden war, inspiriert und erzählt von Tom und Cat. Cat flieht von Welt zu Welt, um vor ihren Verfolgern zu entkommen. Dabei reist sie durch Tore und weiß nie, wo sie als nächstes landet. In der ersten Folge sollte sie auf Tom treffen, welcher als Krankenpfleger arbeitet und vertrauen zu der merkwürdigen, jungen Frau aufbaut. Als Cats Verfolger wieder auftauchen, bleibt Tom nichts anderes übrig, als mit ihr durch das nächste Tor zu fliehen, nicht wissend, ob er jemals in seine eigene Welt zurückkehren kann. Die Geschichte funktioniert einfach, auch heute hätte diese eine Chance im aktuellen Serienprogramm, auch wenn der Aufbau des Drehbuchs überarbeitet werden müsste. Die Geschichte ist spannend, die Hauptfiguren liebenswert und das Setting der ersten Folge wirklich gut gewählt. Die Leseart eines Drehbuchs ist darüber hinaus mal etwas anderes und man gewinnt einen Einblick, wie so etwas auszusehen hat. 

Aus der zweiten Kategorie eine Geschichte auszuwählen ist gar nicht so einfach, da beide aus dem Wild Cards Universum stammen und ohne etwas Vorwissen nicht so einfach verständlich sind. Dennoch hat mich die zweite der beiden Geschichten sehr berührt und deshalb werde ich versuchen grob in die Hintergründe einzuführen. Jedoch kann ich die Wild Cards Reihe nur empfehlen, die eine Zusammenarbeit verschiedener Autoren darstellt und wirklich lesenswert ist. In Aus dem Tagebuch des Xavier Desmond, erzählt dieser Joker, ein äußerlich veränderter Mensch, in seinem Fall hat er einen eigentlich äußerst praktischen Rüssel, von seiner Weltreise, die er mit anderen Jokern, sowie Assen, Menschen mit Superkräften, die jedoch keine oder kaum äußerliche Veränderungen aufweisen. Xavier stammt aus Jokertown, einem Ghetto in dem nur Joker, welche wegen ihrer Missbildungen von der restlichen Gesellschaft denunziert und sogar verfolgt werden, leben und gilt eigentlich als dessen Bürgermeister. Kurz vor seinem Tod begibt er sich auf eine Weltreise, um die Lebensweisen anderer Joker in der Welt zu ergründen. Wenn man sich auf diese Welt einlässt, findet man hier eine sehr emotionale, tiefgründige Geschichte mit politischen und moralischen Hintergrund. Durch die sehr persönliche Sicht des liebenswerten Hauptcharakters, bekommt sie noch eine eigene Ebene. Mir hat diese Geschichte so gut gefallen, da man den Umgang mit Jokern und Assen auch auf unsere Welt übertragen kann und zeigt, wie mit Minderheiten umgegangen wird.

Aus dem letzten Teil eine Geschichte herauszusuchen war sehr schwierig. Da jede für sich etwas besonderes ist. So zeigt George R.R. Martin in Belagert, dass man niemals eine Geschichte oder Idee wegwerfen sollte. Sie beruht auf Die Festung, welches sich in Traumlieder Band 1 befunden hatte. Die vorher jedoch rein historische Geschichte wurde hier jedoch zu Science Fiction umgewandelt. Damit zeigt er, wie wandelbar Geschichten doch sein können, wenn man nur einige Dinge ändert. Aussichtslose Varianten ist eine Kurzgeschichte über Schach, ja so etwas gibt es, deckt jedoch zugleich die größten Schwächen und Stärken des Menschen auf und zeigt die Resultate, wenn man sich zu sehr daran festhält. In Die Glasblume wird man in das Universum der 1000 Welten entführt, der das erste Band beinahe vollkommen gewidmet war. Es stellt die Frage nach dem menschlichen Sein, nach dem Leben und der Unsterblichkeit. Bilder seiner Kinder ist eine Horrorgeschichte, die jedoch auch von dem Leben eines Autors erzählt, dass nicht immer so verläuft, wie man es denkt. In der Haut des Wolfes, eine Detektivgeschichte mit Werwölfen, wurde nun als Serieadaption bestätigt und wird demnächst hoffentlich auch erscheinen.
Die Rede als Ehrengast war ein kurzweiliges Vergnügen, besonders da ich ihn kurze Zeit später wirklich gesehen habe und einige Dinge, die er damals erzählt hatte, noch immer wiederholt. Darüber hinaus war es ein gelungenes Ende für diese drei Kurzgeschichtensammlungen.

Fazit:

Das dritte Band ist deutlich schwächer als das zweite Band, welches in meiner Sicht das beste der Reihe ist. Die Geschichten sind nicht so spannend, was sicherlich auch an dem Genre und der Aufteilung liegt. So sehe ich die beiden Wild Cards Geschichten zum Beispiel eher als problematisch an. Ich hatte das erste deutsche Wild Cards gelesen, wenn man jedoch noch keine Berührung damit hatte, könnte gerade der mittlere Teil sehr schwierig werden, da kaum Erklärungen über die Ursache und die Entwicklungen zu finden sind. Bei beiden finden sich Andeutungen, die jedoch zu noch mehr Verwirrung führen könnten. Für Leser, die sehr viel Freude an der ersten deutschen Wild Cards Veröffentlichung hatten, werden aber an diesen beiden Geschichten ihre Freude haben. An den Kurzgeschichten im dritten Teil lässt sich kaum meckern. Die Schachgeschichte hat sich etwas gezogen, besonders für Leser wie mich, die sich so gar nicht mir Schach auskennen. Belagert hat mir deutlich besser gefallen, als Die Festung und ich habe mich sehr gefreut, nocheinmal eine Geschichte über eine der 1000 Welten lesen zu können. Wirklich schade, dass es da keine Reihe gibt.

Generell gesehen, ist dieses Buch ein gelungener Abschluss und ich kann sagen, dass sie meine Liebe zu Kurzgeschichten entfacht haben und ich schon bald die nächsten Kurzgeschichtensammlungen lesen werde.


Copyright © Julia


 

Donnerstag, 25. Juni 2015

Aufruf!!

Eigentlich wollte ich euch heute von meiner Begegnung mit George R.R. Martin erzählen, jedoch hat sich hier etwas ganz besonderes dazwischengeschoben, was ich euch unbedingt erzählen möchte. 

Deshalb wird der Bericht auf nächste Woche verschoben und die Rezension bekommt ihr dann wieder am Montag :) 



Jetzt die Neuigkeit und Bitte, die ich an euch alle habe:


Das Mondmalheur wurde  für den Deutschen Phantastik Preis als Bestes deutschsprachiges Romandebüt nominiert! 
Dies ist bereits etwas ganz besonderes, da nur sehr wenige Selfpublisher jemals dafür nominiert worden.

Schon allein die Nominierung ist eine wirklich tolle Auszeichnung!

Da Selfpublisher aber unsere besondere Unterstützung benötigen und dieses Buch wirklich großartig ist und den Sieg damit echt verdient hätte, zählt natürlich jede Stimme. 

Da kommt ihr, meine lieben Leser,  ins Spiel. 
Falls ihr ebenfalls helfen wollt, dann folgt diesem Link und stimmt ab!


Copyright © Julia





Dienstag, 23. Juni 2015

Interview: Anette Kannenberg

Hallo ihr Lieben, 
leider habe ich es aus beruflichen Gründen nicht geschafft euch letzte Woche schon mit diesem Interview zu erfreuen, jedoch bin ich froh, es jetzt doch noch zu schaffen. Außerdem könnt ihr euch diese Woche noch auf ein paar Sahnestücke freuen.
Ich sage nur so viel:
George R.R. Martin (Eigentlich sollten ihn ja alles kennen) war in Hamburg und hatte so Einiges zu erzählen.

Nun aber zu unserem heutigen Interview:

Die liebenswerte Autorin Anette Kannenberg, deren Debütroman Mondmalheur ich euch letzte Woche vorstellen konnte hat sich bereit erklärt meine kleinen Fragen zu beantworten und diese charmanten Antworten möchte ich euch natürlich nicht vorenthalten. 



Hey, 
Stell Dich doch bitte einmal kurz vor. 
 


Hallo, ich bin Anette Kannenberg, wurde 1974 in Berlin-Schöneberg geboren und lebe seit über vier Jahren auf Lanzarote. Ich arbeite (u. a. unter dem Künstlernamen Nedde) als Illustratorin, Grafikdesignerin und zunehmend auch als Autorin, habe im Juli 2014 meinen ersten Roman „Das Mondmalheur“ veröffentlicht und freue mich, dass Du mich um dieses Interview gebeten hast.




Wie bist Du zum Schreiben gekommen und wann hattest Du Deine ersten Gehversuche unternommen?

Nach dem Abitur habe ich u.a. Germanistik studiert, was vermutlich mein Interesse, selbst etwas zu Papier zu bringen, verstärkt hat. Den Ausschlag zum Schreiben gab allerdings ein Fantasy-Verein, in dem ich seit vielen Jahren Mitglied bin und für den ich meine ersten Erzählungen verfasst habe – lassen wir den ersten (misslungenen) Romanversuch auf der mütterlichen Schreibmaschine außer Acht.
Irgendwann hatten sich dann genug verrückte Ideen angesammelt, und mein Ego war groß genug zu glauben, dass andere Menschen an meiner verwirrten Weltsicht interessiert sein könnten.

Wie sieht Dein Schreib-Alltag aus bzw. wie gestaltest Du das Schreiben?
Hast Du eventuell auch schon Erfahrung mit Schreibblockaden machen müssen und hast Du Tipps für junge Autoren damit umzugehen?

Ich schreibe, wenn ich Lust und Zeit dazu habe, und setze mir keine Ziele, wieviele Wörter ich bis wann geschrieben haben muss. Ich brauche mitunter ein Zeitfenster von einigen Tagen, von dem ich weiß, dass nichts Wichtiges zu erledigen ist, so dass ich gedankenlos drauf los schreiben kann. Nichts ist schlimmer für mich, als etwas im Nacken sitzen zu haben; sei es ein Auftrag, die Steuererklärung oder ein Haufen ungespültes Geschirr. Zum Glück hab ich meine persönliche Muse, die mich zumindest von letzterem hin und wieder befreit.
Tipps für junge Autoren gebe ich lieber nicht. Ich sitze selbst erst an meinem zweiten Roman (wenigstens in dieser Hinsicht darf ich mich also jung bezeichnen), da wäre es anmaßend, anderen Ratschläge zu erteilen. Schreibblockaden kenne ich, dann mache ich einfach eine Pause von mehreren Tagen, lese oder spiele am Computer, bis mir das alles wieder zu dumm wird. Wenn dort draußen aber jemand ist, der ein besseres Geheimrezept hat: Her damit!

Wo schreibst Du am Liebsten bzw. hast Du besondere „Rituale“ beim Schreiben?

Am liebsten sitze ich mit meinem Laptop auf dem Balkon.
Und Rituale? Klar!
Während ich das Stromkabel durchs Küchenfenster ziehe, röchelt mir der Kaffeevollautomat einen doppelten Milchkaffee in meine Eulentasse. Ein Handtuch, ein Kissen, den Kaffee und eine Flasche Wasser in der Hand, schnappe ich mir auf dem Weg zum Balkon noch das Laptop und lege alles auf dem Tisch ab. Dann spanne ich den Sonnenschirm auf, wickle das Handtuch um das Netzteil des Laptops, um eine Überhitzung zu vermeiden, und mache es mir auf der Holzbank bequem. Mit dem Kissen unterm Hintern und dem Kaffee im Bauch kann es dann endlich losgehen.


Wie kamst Du auf die Idee deines Buches? War es eher ein spontaner Einfall? Ein Traum? Oder wurdest Du von etwas inspiriert?

Die Grundidee war einfach da. In einer Diskussion mit meinem Schwiegervater über alternative Energien witzelte ich, dass es bald so viele Windkrafträder auf der Erde gäbe, dass die Erde ins Trudeln geriete. Physikalischer Unsinn.
Wer „Das Mondmalheur“ gelesen hat, weiß, was aus diesem Gedanken geworden ist: Nichts. Dennoch hat es etwas angestoßen, sagen wir, es hat den „Plot Bunny“ angelockt
.


Wie entstehen die Protagonisten Deines Buches? Sind Deine Figuren immer rein fiktiv oder lässt Du Dich auch von realen Personen inspirieren?

Ich lasse mich ausschließlich von realen Personen leiten. Ganz oft steckt ein großer Teil meiner Selbst in den Protagonisten, ich denke, das ist bei jedem Autor der Fall. Die schönsten Marotten meiner Freunde haben ihre Spuren hinterlassen, aber auch negative Wesenszüge von Leuten, die ich kenne (oder zu kennen meine) werden gefiltert und neu gemischt. Eine direkte Vorlage habe ich nicht, ich glaube, dass die Eigenheiten meiner Protagonisten ein buntes Sammelsurium aus meinen Erfahrungen mit anderen Menschen sind.

Was bereitet Dir mehr Schwierigkeiten? Der Anfang oder das Ende Deines Buches? 
 
Ganz klar das Ende! Auch, wenn das Exposé inklusive Ende schon feststeht, heißt das nicht, dass es dabei auch bleibt. Vielleicht hat es aber auch mit dem Gedanken zu tun, meine Protagonisten loszulassen, wenn das Ende naht…

Nach welchen Kriterien hast Du Dich für dein Cover entschieden bzw. wie kamst Du auf deine Idee? 
 
Zwischenzeitlich habe ich es bedauert, den Dodo so in den Vordergrund gerückt zu haben, wo er doch im Mondmalheur eine eher unbedeutende Rolle spielt. Ich hatte gedacht: „Dodos gehen immer.“ Schließlich ist ein Dodo niedlich, ein absoluter Eyecatcher, und mir ist bislang noch kein Buch untergekommen, auf dem ein solcher Vogel abgebildet ist.
Doch einige meiner Leser haben den Dodomangel moniert, was mich schlussendlich dazu veranlasst hat, noch zwei weitere Teile zu schreiben, um wenigstens im dritten Teil dem Cover vom ersten gerecht zu werden.
Natürlich mussten bei dem Titel Mond und Sterne rein, das habe ich mit einer Spiegelung im Auge des Dodos gelöst (ja, mal genau hinschauen!) und eine NASA-Aufnahme der Pleiaden in den Hintergrund gepackt. Den Mond einfach abzubilden war mir zu öde und hätte mich vermutlich noch weiter in die Science-Fiction-Ecke gerückt, in die ich, meiner Meinung nach, nur bedingt gehöre.

Wie hast Du deinen Titel gefunden? 
 
Im Buch geht es an einer Stelle darum, dass Politiker die gigantische Katastrophe, die dort am Himmel passiert, kleinreden, wie sie es in der Realität allzuoft mit Problemen tun. „Nur ein Faux-Pax, ein kleines Versehen, ein Malheur.“ Dass ich dazu noch Alliterationen liebe, wird man spätestens Ende des Jahres bei meinem kommenden Buch feststellen, dem „Sterbeschlamassel“.

Welcher Zielgruppe würdest Du deine Bücher am ehesten empfehlen?

Allen, die schrägem Humor und einer Portion Verrücktheit nicht abgeneigt sind. Sie müssen definitiv keine Science-Fiction-Fans sein (dazu enthält „Das Mondmalheur“ zu wenig Aliens, Raumschiffe und Laserschwerter), trotzdem offen für abgefahrene Ideen und die ein oder andere Anspielung auf die heutige Gesellschaft.

Die Geschichte ist in ja in zwei Teile geteilt. Eine spannende Aufteilung. Warum hast du dich dafür entschieden?

Ich hielt es für langweilig, das Mondmalheur, die Katastrophe, bis ins Detail zu beschreiben, zu erklären, was zwischenzeitlich mit den Protagonisten geschehen ist und so weiter und so fort. Filme und Bücher über einen vermeintlichen Weltuntergang gibt es zur Genüge, da braucht es mich nicht, um das noch einmal in Worte zu fassen. Ein sauberer Schnitt, ein Zeitsprung von sechsundzwanzig Jahren, und weiter ging’s.

Welches Buch hat einen nachhaltigen Eindruck bei Dir hinterlassen und ist aus Deinem Bücherregal nicht mehr wegzudenken? 
 
Der Duden.
Im Ernst, da gibt es so viele, die dermaßen verschieden sind, dass ich mich nicht auf ein Buch festlegen möchte. Der Duden trifft’s deshalb ganz gut.

Wenn Du in Dein eigenes Bücherregal schaust – welches Genre ist hier am meisten vertreten?

Schwer zu sagen. Ich kann wirklich nicht behaupten, dass ein einziges Genre überwiegt. Würde ich die Bücher abzählen, würde deutsche Literatur vorne liegen, aber das liegt wohl am Studium (zudem macht es einen guten Eindruck, Fontane, Beckett und Grass im Regal stehen zu haben).
Ansonsten habe ich Lesephasen: vor ein paar Jahren waren es historische Bücher, dann kamen Krimis, jetzt lese ich eher Gegenwartsliteratur und die querbeet.
Science Fiction und Fantasy findet man wiederum kaum in meinen Regalen.

Mit welcher literarischen Figur würdest Du gerne einmal einen Tag verbringen?

Ich würde Godot gerne mal treffen, wo doch alle so heiß sind, ihn kennenzulernen. Aber ich fürchte, er würde nicht kommen.


Vielen Dank für dieses tolle Interview! 
Ich freue mich bereits auf dein nächstes Buch :)

Copyright © Julia




Donnerstag, 2. April 2015

Rezension: Hot Dogs zum Frühstück

Zu Ostern habe ich eine besondere Rezension für euch. Falls ihr also dieses Wochenende nutzen wollt, um ein gutes Buch zu lesen, dann holt euch schnell das folgende eBook, aber erst die Rezension lesen ;)
Ich wünsche euch ein schönes Osterfest, viele bunte Eier und gutes Wetter zum Suchen. 

Eure Juju

Elke Becker
268 Seiten

Bescheibung



Romana hat die Nase gestrichen voll. Seit geraumer Zeit verhält sich ihr Mann eigenartig und eröffnet ihr unverhofft, dass er sich in ihrer Ehe eingeengt fühlt. Er vermisst seine Freiheit. Die kann er haben, denkt sich Romana und stürzt sich Hals über Kopf in ein Abenteuer: Sie will mit einem alten VW-Bus die berühmte Route 66 befahren.
Unterwegs schließen sich ihr Damaris, Hanna und Adelheid an. Auch sie verbinden ihre ganz persönlichen Wünsche, Hoffnungen und Träume mit der Reise.
Vier Frauen, die unterschiedlicher nicht sein könnten, ein VW-Bus, und die Suche nach dem großen Glück.

Ein Roadtrip um Selbstfindung, Liebe, Sehnsucht und die Lust am Leben, eingebettet in die einzigartige Landschaft der Route 66.   -
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Inhalt:

 

Ein Frauenroman, der auf der Route 66 spielt, tja, dies sind zwei Merkmale um garantiert NICHT von mir gelesen zu werden. Das ich, nachdem es mir als Rezensionexemplar von der sehr netten Autorin, angeboten wurde, mich doch dazu entschieden habe es zu lesen, muss wohl mit dem Schicksal zu tun haben.
Schnell habe ich mich in die Hauptpersonen verliebt. Alle vier Frauen sind normale, mehr oder weniger, durchschnittliche Frauen, die ihre eigenen Pakete mit sich herumtragen. Bei Adelheid trifft dies sogar wortwörtlich zu. Romana, schon irgendwie die normalste der Reisenden, ist von allen noch am wenigsten interessant, aber sehr charmant beschrieben. Man kann sich gut in sie hineinversetzen und ihre Reaktionen und Handlungen sind völlig verständlich und in keiner Weise übertrieben. Eine schöne Abwechslung zu den Frauenfiguren, die man oft vorgesetzt bekommt. Am besten aber hat mir Damaris gefallen, da sie eine sehr starke, ungewöhnliche junge Frau ist und man nach und nach hinter ihr Geheimnis kommt, wodurch man sehr mit ihr mitfühlt. Hanna ist das genaue Gegenteil. Sie beginnt als eine sehr schwache Person, die aber im Laufe der Reise sich immer mehr öffnet und zu einer sehr starken, liebenswerten Person wird. Und Adelheid ist sowieso etwas ganz besonderes und zaubert einem als Leser immer wieder ein Lächeln auf die Lippe. Jede dieser Frauen ist großartig gelungen, haben spannende Charakterzüge und Hintergrundgeschichten.
Die Geschichte spielt in Amerika, auf der Route 66 und ich muss zugeben, dies ist eines der Länder, das mich überhaupt nicht interessiert oder reizt. Beim Lesen jedoch, vor allem durch die sehr gute Recherche und den dadurch wunderschön beschriebenen Landschaften, konnte ich die Sehnsucht, die diese Weiten auslösen, durchaus verstehen. Der Autorin ist es gelungen diese berühmte Straße, die Menschen, sowie die Orte und Landschaften vor dem inneren Augen der Leser entstehen zu lassen. Das hat mir besonders gut gefallen.
Die Geschichte selbst beginnt einfach. Romanas Mann möchte plötzlich eine Pause und überlegt für einige Zeit auszuziehen. Romana allerdings kommt eine viel bessere Idee, besorgt sich einen VW Bus, zwei Mitfahrerinnen über das Internet und möchte die berühmte Route 66 entlangfahren. Aus den beiden Frauen werden schnell drei und jede von ihnen hat eine interessante Geschichte mit im Gepäck. Während der Reise treffen sie neue Leute, werden Geheimnisse gelüftet und Leben verändert, bis es zum Höhepunkt in Las Vegas kommt. Dieses ist etwas übertrieben, was mich dann doch etwas gestört hatte, aber das hielt nicht lange an.
Jedoch und jetzt möchte ich nicht zu viel verraten, ist das Ende kein seichtes Happy End und hinterlässt einen mit einem ganz eigenartigen Gefühl über das man erstmal nachdenken muss. Genau dieses Ende macht es, in meinen Augen, zu einem ganz außergewöhnlichen Roman. 
 

Fazit:

 

Ich mag keine einfachen Frauenromane, habe kein besonderes Interesse an Amerika und dennoch bin ich von diesem Roman absolut überzeugt. Die Personen sind fantastisch normal, die Landschaften atemberaubend gut beschrieben und die Geschichte gut durchdacht und plausibel. Besonders das Ende gibt einem viel Stoff zum nachdenken. Ein wunderschönes Buch über die Liebe zum Leben und über Hot Dogs zum Frühstück. 

Copyright © Julia
 

Dienstag, 17. März 2015

Nahtlos leben

Heute habe ich die erste der beiden Rezension dieser Woche für euch. 
Ein kleiner, aber wirklich außergewöhnlichen Roman über das Leben, die Liebe und das Machen von Plänen.



Daniel F. Fricke
97 Seiten
neobooks Self-Publishing (12. September 2014)

Beschreibung:


Du willst es, aber Du wusstest nicht genau wie?

Der Roman „Nahtlos leben“ erzählt von der Romanfigur Daniel, der in einer Kleinstadt aufwächst und der offen und direkt über seine persönlichen und erotischen Turbulenzen berichtet, sowie über seinen jugendlichen Leichtsinn, der ihn während seiner Ausbildungszeit zum Koch prägt. Auch als Daniel später nach Barcelona und in die USA reist, um dort als Koch in einigen Gourmet-Restaurants zu arbeiten, muss er auf eine schmerzhafte, aber wiederum auch auf wundervolle Weise, Liebe und Leidenschaft erfahren – wenn da nicht das Schicksal und die Vorherbestimmung gewesen wäre, mit denen wir alle in unserem Leben zu kämpfen haben. Dies sind aber gerade die Erfahrungen, die das Leben eines jeden Einzelnen von uns ausmacht, welches niemals ohne Stolperfallen verläuft und niemals nahtlos sein kann.

Lass Dich einfangen von Daniels Reise durch das Leben, von seinen persönlichen und emotionalen Erfahrungen, seinen Träumen, seinen tiefen Schicksalsschlägen, aber auch von seinen sozialkritischen Themen, die zum Nachdanken anregen und den Leser an vielen Stellen des Buches atemlos werden lässt.

John Lennon hat es bereits treffend auf den Punkt gebracht: „Leben ist das, was passiert, während Du eifrig dabei bist, andere Pläne zu machen.“  Amazon


Inhalt: 


Dieser, mit fast 100 Seiten, relativ kurzer Roman fällt zuerst durch seinen gewöhnungsbedürftigen Schreibstil auf. Damit meine ich dies keineswegs negativ, doch der Schreibstil ist vergleichsweise nüchtern und ähnelt eher einem Erfahrungsbericht als einem Roman. Da stechen die erotischen Szenen, die teilweise mit einer harten und direkten Sprache beschrieben sind, schon heraus. Diese Kombination macht das Buch bereits zu etwas Besonderen, kann den einen oder anderen jedoch auch verschrecken, besonders, wenn man diese Offenherzigkeit nicht gewohnt ist. 
Der erste Teil wirkt dadurch etwas holprig und bei der ersten erotischen Szene hebt man sicherlich erschrocken die Augenbrauen, doch nachdem man sich daran gewöhnt hat, lässt sich das Buch angenehm lesen.
Jedoch führt diese entfernt wirkende und nüchterne Schreibweise aber dazu, dass man mit der Hauptfigur Daniel nicht so richtig warm wurde. Wenigstens ging dies mir so. Ich habe es tatsächlich eher wie ein Erfahrungsbericht eines wirklich faszinierenden Menschen gelesen, weniger wie einen Roman. Seine Geschichte und Beschreibungen waren sehr spannend und interessant, jedoch konnte er bei mir sonst keine Gefühle wecken, egal was positives oder negatives in seinem Leben geschah und auch seine Beziehungen und Bekanntschaften waren mir relativ egal. Dies gilt auch für die anderen Personen, die, bis auf ein oder zwei Ausnahmen, alle am Rand geblieben sind und so oberflächlich waren, dass man keinen zweiten Gedanken an sie verschwendete. Da die meisten Personen, denen Daniel begegnet jedoch keine große Rolle spielen, macht dies jedoch auch nicht viel bei der Qualität des Buches aus. 
Daniels Leben selbst ist sehr spannend und kann einen, trotz der kühlen Sprache mitreißen. Es ist interessant zu sehen, wie er von dem jungen Lebemann zum verantwortungsvollen Erwachsenen wird und dabei großen Schmerz, tiefe Depressionen und doch auch großes Glück erfährt. Die erotischen Momente sind dabei Highlights, die nicht unbedingt hätten sein müssen, aber dennoch gut in das Buch passen. Das Ende, ohne zu viel zu verraten, ist sehr untypisch und gibt dem Buch gleich noch eine ganz andere Dimension.  

Fazit:


Mich hat dieser eigenwillige Schreibstil fasziniert, gerade weil er so kühl und distanziert wirkte. Obwohl in meinen Augen fast alle Personen austauschbar waren, hat mich die Geschichte dennoch begeistert. Daniels Leben ist einerseits außergewöhnlich und andererseits doch vollkommen normal, wie jedes andere Leben auch. Dies zeigt dieser Roman sehr gut. Vor allem hat mir aber gut gefallen, wie Daniel langsam erwachsen wird und man diesen Wandel deutlich miterlebt. 
Ich würde dieses Buch für jeden weiterempfehlen, der keine Lust hat immer das Gleiche zu lesen und einen außergewöhnlichen Roman durchaus zu schätzen weiß.


  Copyright © Julia

Donnerstag, 5. März 2015

Noor - Das letzte Siegel

Hallo meine Lieben :)

Leider habe ich mich schon wieder fast 2 Wochen nicht gemeldet, was natürlich meinen ganzen Plan durcheinanderwirbelt. Aber diesmal bin ich nicht selbst Schuld, denn eine relativ kurze, aber sehr fiese Krankheit hat mich überfallen und k.o. geschlagen und das in der ersten Runde! Von dieser üblen Niederlage, bei der ich weder lesen, noch schreiben konnte,  hatte ich etwas gebraucht um mich zu erholen. Hinzu kam, dass ich einige Probleme mit dem Lesen des nachfolgenden Buches, sowie mit der dazugehörigen Rezension hatte. Ihr werden gleich sehen warum. Jetzt bin ich aber wieder fit, lese fleißig und freue mich darauf, so schnell es geht die nächste Rezension schreiben zu können. Nur so viel, dass Buch heißt: Wie ich aus Versehen eine Bank ausraubte. :)   

 

Nun aber erstmal zu:

 

Noor – Das letzte Siegel

Sandra Hörger
526 Seiten
CreateSpace Independent Publishing Platform (10. August 2014)



Bescheibung

Eine Liebe, die sieben Milliarden Menschen den Tod bringt.
Eine Erkenntnis, die alles auf den Kopf stellt, woran du glaubst.
Nur eine einzige Frage, die zählt: Bist du bereit, blind zu vertrauen?
Die 17-jährige Sela ist gerade unterwegs zu ihrem Freund, als ihr der Engel Noor schwer verletzt vor die Füße fällt. Kampfunfähig sieht der geflügelte Wächter sich gezwungen, einen Teil seines Geheimnisses preiszugeben:
Sela verkörpert das „Buch der sieben Siegel“. Auf und unter ihrer Haut verbergen sich Symbole, mit denen die Apokalypse heraufbeschworen werden kann. Der Engel hat die Aufgabe, zu verhindern, dass das „Buch“ in die falschen Hände fällt. Er soll das Mädchen beschützen.
Noor und Sela kommen sich näher, als sie dürfen. Doch sagt er ihr wirklich die Wahrheit?
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Inhalt:

Dieses Buch hat mir einige echte Schwierigkeiten bereitet und, da muss ich ehrlich sein, wenn es kein Rezensionsexemplar gewesen wäre, ich hätte es wohl niemals zu Ende gelesen. Dies liegt aber weder an der Geschichte, noch an dem Schreibstil, auf beides werde ich gleich noch eingehen, sondern nur an den Figuren, denen ich allen nicht besonders viel abgewinnen konnte. Das größte Problem war dabei die Hauptperson selbst. Sela Bach, ein siebzehnjähriges Mädchen, dem ich im richtigen Leben niemals begegnen wollen würde. Obwohl Sela zu Beginn noch ein interessanter, erfrischender Charakter ist, entwickelt sie sich im Laufe des Buches zu einer so nervigen Tusse, dass ich sie einige Male am liebsten geschüttelt hätte. (Das habe ich dann mit dem Buch nachgeholt) Ihr größtes Problem ist, dass sie zum einen zu viel denkt, Gott sie denkt so unglaublich viel und zum anderen, ihre Sprunghaftigkeit. Wobei wir auch zugleich zum nächsten Problem kommen, der Dreiecksbeziehung. Wie fleißige Leser meines Blogs wissen sollten, ich hasse Dreiecksbeziehungen. Nun ja, hier wurde diese auf die Spitze getrieben. Sela schwankt zwischen dem Engel Noor und ihrem Seelenverwandten Tom und dabei ändert sei ihre Meinung ungefähr alle fünf bis zehn Seiten, zum Ende hin wird es sogar noch extremer, was bei über 500 Seiten einem zur Verzweiflung bringen kann. Zum Ende hin war es mir sogar vollkommen egal, wen sie bekommt, ob sie jemanden bekommt oder ob sie sich einfach von der nächsten Klippe stürzt. So sollte man jedoch nicht über eine Hauptfigur denken.
Die beiden männlichen Hauptfiguren haben mir stattdessen relativ gut gefallen. Noor ist eine sehr interessante Figur mit dunkleren Wesenszügen und einer spannenden Geschichte, obwohl einem als Leser relativ schnell klar wird, in welche Richtung diese geht. Tom dagegen ist ein Mensch, jedoch ebenfalls mit einer sehr dunklen und interessanten Hintergrundgeschichte, die seinem Charakter tiefe verleiht. Er liebt Sela und würde für sie alles tun was man ihm auch sofort glaubt. Obwohl man ja seinen Liebling hat (in meinem Fall Noor) habe ich mich zwischendurch sogar gefreut, als es aussah, als würde er mit Sela glücklich werden. (Das war kein Spoiler, da, wie gesagt, sich das alle paar Seiten sowieso änderte)
Die Geschichte ist, unabhängig von dem ganzen Liebesgedöns, kaum vorhanden, was wirklich sehr schade ist, da diese wirklich Potential hatte. Engel, Dämonen, Himmel und Hölle sind spannende Aspekte, die hier gut zu einem Gesamtkonstrukt zusammengefügt wurden, bei dem man auch noch etwas lernen konnte. Gerade die letzten 100 Seiten, in welchen die Liebeleien dann nicht mehr so im Vordergrund standen, sondern die Handlung einen Schub erlebte, vergingen wie im Flug. Mit den restlichen Seiten habe ich mich aber leider gequält und musste es leider immer wieder zur Seite legen. Das Buch hätte wirklich Potenzial gehabt, wenn der Fokus mehr auf diesem Aspekt gelegen hätte. Auch der Schreibstil ist nämlich sehr angenehm und flüssig zu lesen. Doch leider überwiegen, in meinen Augen, die negativen Punkte, da die spannende Geschichte nur in kurzen Etappen wirklich zur Geltung kommen konnte.
Das Ende hat mir übrigens, um noch kurz etwas wirklich Positives anzufügen, sehr gut gefallen. Hätte sich die vorherige Geschichte etwas mehr an dessen Tempo, Tiefe und der Spannung gehalten, dann wäre ich absolut begeistert gewesen.

Fazit:

Spannende Geschichte mit viel Potential, das leider nicht genutzt wurde. 100 bis 200 Seiten weniger Liebesreigen und etwas mehr Schwerpunkt auf der Geschichte und dieses Buch hätte wirklich großartig werden können. So kann ich es leider nur Lesern empfehlen, die eine besondere Freude an Büchern mit einem klaren Fokus auf die Liebes- und vor allem an Dreiecksbeziehungen haben. Für mich allerdings konnte das Buch, trotz spannendem Ansatz leider nicht überzeugen.

 Copyright © Julia

Dienstag, 13. Januar 2015

Waldesruh



Anja Bagus
312 Seiten

Beschreibung:


Die adlige Witwe Minerva hat die Nase voll davon, weiterhin Gesellschafterin ihrer Mutter zu sein. Der Unternehmer Falk Bischoff will eine Glashütte kaufen, doch der Glasmachermeister wurde ermordet und seine wertvolle Forschung ist verschwunden. Ein preußischer Hauptmann folgt den unheilvollen Visionen einer Hexe. Seine Mission: einen drohenden Krieg verhindern. 

Sie alle logieren im exklusiven Hotel Waldesruh, dessen verwöhnte Gäste sich eines luxuriösen Lebens erfreuen. Sie wollen Skilaufen oder im Pferdeschlitten durch die verschneite Landschaft kutschieren und sich abends mit Tanz und Gesellschaftsspielen amüsieren. 

Doch auch sie müssen feststellen, dass der Æther rund um den mysteriösen Glasberg vieles verändert hat. Als in der Silvesternacht uralte Mächte erwachen, müssen sich alle entscheiden, auf welcher Seite sie stehen. 

Entdecken Sie die Ætherwelt: Steampunk aus Deutschland. Hier gibt es sowohl Automobile mit Æthereinspritzung, als auch Naturgeister, geheimnisvolle Apparate und religiöse Fanatiker. Wer die „Annabelle Rosenherz-Romane” liebte, wird hier weiterlesen wollen! - Amazon

Inhalt:


Minerva konnte man bereits vor dem tragischen Tod ihres Mannes nicht wirklich als normal zu bezeichen, schließlich ist sie mit diesem professionell Rennen gefahren und das in einer Zeit in der Frauen und Autos noch weniger zusammengehören, als heute und auch nach dessen Tod sieht sie nicht ein, weshalb sie nicht in Hosen rumlaufen und ihre große Leidenschaft für schnelle Autos pflegen darf. Sehr zum Leidwesen ihrer Mutter. Diese Leidenschaft sorgt auch dafür, dass sie dem jungen Falk begegnet, einem arroganten, viel zu sehr von sich eingenommenen Kerl, dem Minerva einfach nichts abgewinnen kann, oder doch? 

Minerva ist eine wunderbar starke Frauenfigur, die sich dennoch ab und an einem Mann unterordnen kann. Es ist wirklich sehr angenehm in einem Buch einmal so eine realistische, starke Frauenfigur zu haben, die einerseits sehr mutig und intelligent ist, aber andererseits eben auch ihre Probleme, vor allem mit ihrer Mutter und den Männern, sowie einige Schwächen hat. 
Ähnlich verhält es sich mit Falk Bischoff, den ich sofort in mein Herz geschlossen habe und das nicht nur wegen seiner mysteriösen Art und der Brille, die er ständig trägt, um seine Augen zu verdecken, sondern gerade weil er zu Beginn sehr arrogant und unnahbar wirkt. Er ist kein männlicher Protagonist zum anschwärmen, sondern eine wirklich authentische Darstellung eines jungen Mannes, dessen kleine Fehler ihm manchmal im Weg stehen. 
Natürlich haben wir mit dem gut aussehenden, charmanten Hauptmann eine Figur zum dahin schmelzen und eine wirklich interessante Dreiecksgeschichte, die jedoch in keinster Weise kitschig wirkt, sondern der Beginn einer wirklich süßen Liebesgeschichte ist. 
Die Geschichte ist in zur gleichen Zeit wie die Aetherreihe angesiedelt und hat sogar die eine oder andere Referenz, was mir persönlich sehr gut gefallen hat.
Bereits im Prolog wird man durch die Erlebnisse rund um den jungen Mann, dem ein Geweih wächst, welches es auch auf das wirklich wunderschöne Cover geschafft hatte, in den Bann gezogen. Der Plot selbst ist spannend aufgebaut und es lässt sich eine Mischung aus Krimi und Fantasy mit einer gewissen Prise Romantik, finden. Dabei spielt das Mysterium des Glasberges, sowie der geheimnisvolle Erlkönig immer wieder eine wichtige Rolle. Er ist gut durchdacht und wirklich spannend aufgebaut. Man fiebert mit Minerva und Falk bei ihrer Suche nach den Geheimnissen des Glasberges richtig mit. Es lassen sich außerdem Fabelwesen wie Glasmänner und Meerjungfrauen, sowie religiöse Fanatakiker finden. Es ist also sozusagen für jeden etwas dabei. Der Schreibstil ist gewohnt angenehm und flüssig zu lesen.

Fazit:


Das Erfolgsrezept der Aether-Bücher hat Anja Bagus auch wieder in dieses Buch übertragen: Starke und was viel wichtiger ist realistische Hauptfiguren (an denen sich einige Autoren wirklich ein Beispiel nehmen sollten) gepaart mit einer spannenden, gut durchdachten Geschichte und all das auch noch in einer Steampunkwelt angesiedelt. Da kann ja eigentlich nichts schiefgehen und das tut es auch nicht.
Die Autorin hat es geschafft hier einen großartigen, spannenden Roman zu erschaffen, der wirklich gut unterhält und für alle Steampunk Fans und diejenigen, die es gerne werden wollen, ein absolutes Muss sein sollte. 
Außerdem behandelt es das sehr aktuelle Thema der Angst und daraus resultierend der Abgrenzung von Fremden und Anderen, die nicht so sind, wie die Mehrheit glaubt, dass man sein müssten. Dies ist besonders spannend, da Rassismus und Diskriminierung momentan ein sehr dramatisches und hochaktuelles Thema ist.
Von mir bekommt dieses Buch eine absolute Leseempfehlung! 


Copyright © Julia

Dienstag, 6. Januar 2015

Im schönsten Moment - Die Geschichte von Lilli und August

Hey Leute,

das neue Jahr hat begonnen und obwohl ich mir dieses Mal fest vorgenommen hatte, mir keine Vorsätze zurechtzulegen, habe ich mir dennoch vorgenommen meinen Blog wieder häufiger mit neuen tollen Inhalten zu füllen. Obwohl es in letzter Zeit doch etwas ruhiger geworden ist, bleibt der Lesestoff dennoch nicht aus! Also habe ich mich entschieden, euch dieses Jahr mit ganz vielen tollen Rezensionen, Vorstellungen, Bildern und Gewinnspielen zu nerven, bis ihr selbst keine Lust mehr habt und mich bittet weniger zu schreiben ;) Na klingt das nach einem Plan?

Ich starte das neue Jahr auch gleich mit einer kleinen, aber feinen Liebesgeschichte. Diese Woche folgt dann auch die längst überfällige Rezension zu Passagier 23 von meinem persönlichen Lieblingsautor Sebastian Fitzek. In den nächsten Wochen folgt dann ein kleines Broadchurch-Spezial mit anschließendem Gewinnspiel. Doch ich habe noch weitere tolle, spannende und witzige Bücher gelesen, auf deren Rezensionen ich mich auch schon richtig freue. Es kommen also ein paar wirklich spannende und ereignisreiche Wochen auf euch zu.

Liebe Grüße

Eure Juju

Im schönsten Moment - Die Geschichte von Lilli und August (Kurzroman)



Madame Missou

Beschreibung:

Die wichtigsten Momente des Lebens kündigen sich nicht an. Sie sind plötzlich da und hoffen darauf, erkannt zu werden. Diese Erfahrung machen Lilli und August, als sie einander nachts in einem stecken gebliebenen Aufzug begegnen. Zunächst können sie einander nicht ausstehen. Dann beginnen beide ein Prickeln zu spüren. Aber erst zu spät begreifen sie, wie bedeutend diese Begegnung war. Wird das Schicksal ihnen eine zweite Chance gewähren...?

Der neue Kurzroman der Bestseller-Autorin Madame Missou schenkt Ihnen 90 Lese-Minuten voller Liebe, Spannung und guter Unterhaltung - für den Feierabend, die Bahnfahrt oder den entspannten Nachmittag auf dem Sofa. - Amazon

Inhalt:


Die Hauptrollen in diesem kurzen Roman spielen Lilli und August, die sich eines Nachts im Fahrstuhl begenen. August war gerade aus seiner Wohnung und vor seiner Frau geflüchtet, während die frisch getrennte Lilli aus der Wohnung ihrer zu tröstenden Freundin kam. Beide können sich auf den ersten Blick nicht ausstehen, doch schaffen es sich im Laufe der nächsten Stunden durch ein Spiel sich immer weiter anzunähern. Dabei finden sie nicht nur Zuneigung füreinander, sondern stellen sich endlich auch ihrer eigenen Lebenssituation.
Ich finde beide Figuren sehr authentisch und auf ihre Weise liebenswert. Sie haben wie ihm echten Leben, vom ersten Moment an ein klares Bild voneinander, dass sie allerdings nach und nach ändern müssen. Ihre Unterhaltungen wirken dabei kein Moment lang gestellt, sondern entwickeln sich völlig natürlich und auf eine angenehme Weise. Das hat mir persönlich sehr gut an dem Buch gefallen. Denn obwohl es eine Liebesgeschichte ist, wirkt sie in keinem Moment kitschig oder übertrieben. Wir haben hier zwei starke Hauptpersonen, die ihre eigenen Lasten zu tragen haben und durch die Offenbarung dieser es schaffen sich gegenseitig zu helfen. Nachdem sie aus dem Fahrstuhl gerettet wurden, trennen sich ihre Wege und beide gehen gestärkt aus dieser Begegnung heraus, bereit sich ihrem Leben nun zu stellen.

Fazit:



Wie ihr alle langsam wohl wisst, ich bin kein Fan von Liebesgeschichten. Sie sind mir meist zu kitschig, die Figuren zu eindimensional und die Handlungen zu unrealistisch. Dieser Kurzroman jedoch hält tatsächlich was die Autorin verspricht. In einer sehr kurzen Lesedauer entwickelt sich eine schöne Liebesgeschichte, die mit einer kleinen Schwäche zum Ende hin, da sich das doch etwas zieht, wirklich unterhält und Spaß beim Lesen macht. Wer also ein schönen Roman für eine Bahnfahrt oder einfach für Zwischendurch sucht, der sollte sich diesem definitiv einmal zuwenden, besonders, da der Preis einfach unschlagbar ist. 

                                                                                                                                               
Copyright © Julia