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Mittwoch, 13. November 2013

Am dreizehnten Tag

"Sajadi zurafai, teqisma sadi en bayadi", flüsterte er.
"Ich verneige mich vor der Glücklichen, deren Schicksal bestimmt eine Reise in die Wüste"
Zitat S. 37 
 
 
Regina Mengel
506 Seiten
CreateSpace Independent Publishing Platform
Auflage: 1.0 (28. August 2013)

Beschreibung:

 

Stell dir vor, du bist etwas ganz Besonderes, und niemand hat es dir gesagt!

Seit Susannas dreizehntem Geburtstag überschlagen sich die Ereignisse. Wildfremde Menschen munkeln von einer Bestimmung und streuen Blütenblätter vor Susannas Füße. Ein Päckchen ohne Absender, ein Brief, der in Rätseln spricht, eine geheimnisvolle Flasche und ein Teeladen, der nicht von dieser Welt zu sein scheint. Doch das ist erst der Anfang.

Stell dir vor, das Märchenland aus deinem Buch existiert wahrhaftig, und eine wichtige Aufgabe wartet dort auf dich!

Susanna stößt auf eine magische Welt voller Abenteuer und außergewöhnlicher Wesen. Und dann ist da ja auch noch Patrick, der ihr besser gefällt, als sie es sich zunächst eingestehen möchte.  

Die Gesamtausgabe beinhaltet:
Teil 1: Die Bestimmung, Teil 2: Kis-Ba-Shahid, Teil 3: Flaschengeister
 

Inhalt:

 

Susanna ist 13 Jahre alt, verhält sich ab und an aber durchaus, als wäre sie bereits älter. Sie ist klug, abenteuerlustig und ängstlich zugleich. Diese Mischung passt einfach. Ich mochte sie von der ersten Seite. Genauso wie den 15-jährige Patrick, der sich todesmutig in dieses Abenteuer stürzt. An keinem von beiden habe ich irgendetwas auszusetzten und das will schon mal etwas heißen. Doch die Autorin hat es in diesem Buch geschafft besondere Figuren zu schaffen.
 Denn, die Personen bilden in dieser, sowieso schon wunderschönen Geschichte, die Sahnehaube. jeder von ihnen ist einzigartig und mit Ecken und Kanten. Es gibt keinen perfekten Prinzen zum anschmachten, aber auch keinen Oberbösewicht, der Böses tut, nur weil er böse ist.
Da sind zum einen Seherazade, die Hellseherin, der junge Ali Baba und mit seinen, na wenn man es hoch rechnet, 40 Räubern und meine persönliche Lieblingsfigur, der kleine Muck.

Wie man bereits an den Beschreibungen der Figuren bemerkt, sprüht dieses Buch voller Fantasie. Nicht nur Personen sind detailreich und zauberhaft beschrieben, sondern auch die ganze Welt Kis-Ba-Shahid in die wir hier entführt werden ist ein bunter, magischer Ort voller Besonderheiten. Dort gibt es nicht nur fliegende Teppiche, sprechende Vögel und Bibliotheken in denen man die Zeit vergisst, sondern auch böse Wesire, dreiste Diebe und eingeschlossene Dschinns, die auf Rache sinnen. Die Geschichte ist klar durchdacht, interessant und bis zum Ende hin spannend. Es gibt keine großen Überraschungen und Wendungen, aber das hat dieses Buch auch gar nicht nötig. Es ist einfach ein schönes Märchen, dass durch seine Stärken zu begeistern weiß.  

Der Schreibstil ist eingängig, schön und schnell zu lesen. Zwischendurch merkt man dem Buch zwar an, dass es eigentlich aus drei Teilen bestanden hatte, da es in der Beschreibung etwas langatmig war. Doch dies waren nur kurze Passagen. Die meiste Zeit entführt einen dieses Buch in eine Welt von 1001 Nacht und bannt einen dort in eine Flasche, bis man sich ganz am Ende daraus befreien kann :)

Fazit:

 

Eine wirklich schöne Geschichte, die einen in eine etwas abgewandelte Version von 1001 Nacht entführt. Genau dies macht für mich auch den Reiz dieses Buches aus. Keines der bekannten Motive wurde hier einfach übernommen, sondern jedes einzelne hat einen besonderen Schliff bekommen. Ein wirklich traumhaftes Buch, dass ich nur von Herzen weiterempfehlen kann.

 Copyright © Julia



Mittwoch, 28. August 2013

Alles Märchen!: Insider packen aus





Heide Simonis 
160 Seiten 
 Lutherisches Verlagshaus (4. Juli 2013)



Beschreibung:

Ich habe mich bei BloggdeinBuch.de für dieses Buch beworben, da ich ein großer Fan von Märchen bin. Vor allem interessiere ich mich für Neuinterpretationen a la Once Upon a Time. Auch dieses Buch ist eine Neuinterpretation, obwohl dies nicht richtig passt. Es lässt sich wohl eher von ganz neuen Geschichten sprechen, die aus bekannten Ideen heraus entwickelt haben. Doch dies ist keineswegs negativ zu betrachten. Man muss sich nur von den ursprünglichen Ideen der Märchen loslösen und sich auf dieses Buch einlassen.

Es ist eine Anthologie mit den unterschiedlichsten Märchen und beinhaltet folgende 15 Geschichten:

1.Von dem Fischer und syner Frau, 2. Aschenputtel, 3. Der Froschkönig, 4. Rotkäppchen, 5. Das tapfere Schneiderlein, 6. Rumpelstilzchen, 7. Frau Holle, 8. Der Wolf und die sieben Geißlein, 9. Schneewittchen, 10. Dornröschen,11. Rapunzel, 12. Hänsel und Gretel,13. Sterntaler,14. Der Hase und der Igel, 15. Die Bremer Stadtmusikanten

Inhalt:

Doch hier wurde die Perspektive etwas verdreht, wodurch die Geschichten einen ganz anderen Klang bekommen. So ist die Frau des Fischers, im Gegensatz zu ihrem Mann eine sparsame Frau, die sehr genau weiß, was die sich von dem Fisch wünschen sollten und was eben nicht. Oder die böse Stiefmutter von Aschenputtel, die ganz genau weiß, wie dämlich ihre beiden Töchter eigentlich sind. Selbst die Traumprinzen sind, wie doch eigentlich zu erwarten wäre nicht ganz so traumhaft.

Die einzelnen Geschichten sind wirklich lustig und man beendet jede mit einem Schmunzeln auf den Lippen. Der Schreibstil ist angenehm. Nicht zu einfach, wodurch es auch nicht kindlich wirkt, aber auch nicht zu anspruchsvoll. Das besondere Highlight liegt hier besonders auf den Cartoons am Ende einer jeder Geschichte, welche die Märchen auf humorvolle und liebevolle Art noch einmal Revue passieren lässt. Die kleinen Geschichten sind ca. 10 Seiten lang und so humoristisch geschrieben, dass sie schnell durchzulesen sind.


Fazit: 

Die Autorin vermischt hier die altbekannten Motive der Märchen mit den derzeitigen politischen Fragen, wodurch das Buch nur für Erwachsene zu empfehlen ist, da Kinder es nicht verstehen. Da sollte man lieber zu den Originalen oder zu den Disneyfilmen greifen. Für Erwachsene aber hält dieses Buch viele Schmunzler und Lacher bereits. Und auf diese Weise wirken die Geschichten auch plötzlich viel realistsicher.

Ich danke Bloggdeinbuch.de und dem  Lutherisches Verlagshaus für dieses witzige Buch, das ein fester Bestandteil meines Nachttisches geworden ist.
DiesesBuch kannst du hier erwerben.


 

Freitag, 9. August 2013

Constanze Ramona Junkers



Passend zu der Rezension von gestern zu dem wundervollen Buch Emily Anderson und das Vermächtnis der Gebrüder Ysenhoff folgt heute das Interview mit der bezaubernden Constanze Ramona Junkers. Ich hoffe ihr habt genauso viel Freude daran wie ich.




Stell Dich doch bitte einmal kurz vor.
Ich heiße Constanze Ramona Junkers, bin 32 Jahre alt und lebe mit meinem Mann und meiner Tochter in der Nähe von Düsseldorf. Obwohl ich bereits während der Kindheit ins Rheinland zog, bin ich im Herzen noch immer sehr mit meiner Heimatstadt Dresden verbunden.




Wie bist Du zum Schreiben gekommen und wann hattest Du deine ersten Gehversuche unternommen?
Ich habe eigentlich schon immer geschrieben: zu Schul- und Studiumzeiten Vorlagen für Theaterstücke, Kurzgeschichten, Gedichte und Artikel als freie Lokaljournalistin. Auch in der PR-Branche blieb ich dem Schreiben treu, doch nie blieb Zeit für die vielen Romanideen. Und dann kam das Weihnachtsfest 2009. Mein Mann schenkte mir ein Notebook und einen Schreibratgeber für Romanautoren. Das war eine eindeutige Aufforderung…

Wie sieht Dein Schreib-Alltag aus bzw. wie gestaltest Du das Schreiben?
Hast du eventuell auch schon Erfahrung mit Schreibblockaden machen müssen und hast Du Tipps für junge Autoren damit umzugehen?
Ich habe bei meinem Debutroman ganz diszipliniert nach Lehrbuch gearbeitet. Die Vorarbeit mit der Festlegung der Charaktere, der Konflikte und der Kapiteleinteilung hat fast genauso lang gedauert wie die eigentliche Schreibarbeit. Da der gesamte Leitfaden dann bei Beginn der redaktionellen Arbeit schon stand, hatte ich auch keine Probleme mit Blockaden. Im Gegenteil, je mehr der Roman an Volumen zunahm, desto einfacher wurde es.

Wo schreibst Du am Liebsten bzw. hast Du besondere „Rituale“ beim Schreiben?
In der Hinsicht sieht es bei mir ganz unspektakulär aus. Ich bevorzuge meinen Schreibtisch und eine Tasse Tee. Musik hilft mir auch eher in der Konzeptionsphase, beim Schreiben brauche ich nur Ruhe. Ich versinke dann immer komplett in der Fantasie. Zum Teil ist das schon gruselig, da ich auch nicht realisiere, wenn jemand hereinkommt oder mich etwas fragt.

Wie kamst du auf die Idee deines Buches? War es eher ein spontaner Einfall? Ein Traum? Oder wurdest du von etwas inspiriert?
Die Idee zum ersten Roman war eng verknüpft mit einem der wichtigsten und emotionalsten Ereignisse in meinem Leben. Ich erwartete mein erstes Kind und mein Mann und ich richteten alles so ein, dass es ihm an nichts fehlen sollte. Und es war klar, wir würden immer für unser Kind da sein. Und sofort musste ich an die Kinder denken, denen es eben nicht so geht, die nicht wissen, wer die Eltern sind oder wo ihre Wurzeln liegen. Dies war der Grundstein für „Emily Anderson“, eine Geschichte über ein Mädchen, dass auf der Suche nach ihrem Vater und dem Andenken ihrer Mutter sich selbst findet.

Wie entstehen die Protagonisten Deines Buches? Sind Deine Figuren immer rein fiktiv oder lässt Du dich auch von realen Personen inspirieren?
Das ist ganz unterschiedlich. Viele meiner Charaktere sind komplett fiktiv, manche besitzen Eigenschaften von Menschen, die es tatsächlich gibt, obwohl ich ihnen dann immer noch eine ganze Menge hinzugebe. Gerne nutze ich tatsächlich stattgefundene Dialoge oder Aussprüche, wenn auch nicht immer im korrekten Zusammenhang. Zum Beispiel sagt der tollpatschige Riese „Bakkus“ in „Emily Anderson“: „Adlerauge sieht alles“, als er auf brennender Suche nach einem Geheimgang durch Zufall über die richtige Falltür stolpert. Das sagte einst mein Klassenlehrer in der Unterstufe, wenn es darum ging, Briefwechsel oder Tuscheleien während der Unterrichtsstunde zu entlarven. In der Tat war weder mein Lehrer noch ist Bakkus nun tatsächlich ein gutes Adlerauge.

Was bereitet Dir mehr Schwierigkeiten? Der Anfang oder das Ende Deines Buches? 
Ich habe das Ende mehrfach geändert und hatte drei Varianten zur Auswahl. Das Schwierige dabei war also nicht, dass ich keine Ideen hatte, sondern eher mich zu entscheiden. Ich bin aber im Nachhinein froh über meine Wahl, was auch viele Leser mit ihrem Feedback bestätigt haben.


Nach welchen Kriterien hast Du dich für dein Cover entschieden bzw. wie kamst Du auf deine Idee?
Ich hatte schon eine sehr klare Vorstellung vom Cover und auch von den Illustrationen, deshalb Hut ab vor meinem Illustrator, Florian Schalinski, der mit Engelsgeduld meine Ideen passgenau verwirklichte. Besonders das Schmetterlingsamulett war ein Knackpunkt – da gab es zig Ausführungen… 

Wie hast Du deinen Titel gefunden? 
„Emily Anderson und das Vermächtnis der Gebrüder Ysenhoff“ war in Teilen auch der Arbeitstitel, der sich nach Umfragen mit alternativen Ideen weiter durchsetzte. Der Nachname stand dabei eigentlich gar nicht zur Auswahl auf der Liste, sondern wurde zusätzlich von einer Testleserin geboren




Welcher Zielgruppe würdest Du deine Bücher am ehesten empfehlen?
Geschrieben wurde der Roman für 10- bis 13-jährige Mädchen, wobei auch schon jüngere Leser Interesse daran haben. Momentan ist die Leserschaft sehr heterogen und ich freue mich über positive Kritiken auch von Erwachsenen. Nach wie vor ist es für mich als „Indie“ sehr schwer, über das eBook die eigentliche Zielgruppe zu adressieren. Obwohl viele Kollegen es anders sehen, denke ich persönlich, dass gerade das Genre Kinder-/Jugendbuch im Gros über das gedruckte Buch funktioniert.

In deinem Buch geht es ja sehr viel um Kunst. Wieso hast du dich gerade dafür entschieden? Zeichnest du selbst?
Versucht habe ich es mal, aber es ist nicht damit zu rechnen, dass sich jemand einen „C.R.Junkers“ an die Wand pinnen möchte :-) Ich liebe Malerei, aber bevorzugt „Alte Meister“. Emilys Meinung im Buch spiegelt auch meine eigene wieder: Gemälde sind Zeugnis einer Zeit, in der es noch keine Fotografie gab. Bildinterpretation und -restauration sowie Kunstgeschichte hätte ich studiert, wenn es nicht die journalistische Richtung geworden wäre. 

Welches Buch hat einen nachhaltigen Eindruck bei Dir hinterlassen und ist aus Deinem Bücherregal nicht mehr wegzudenken?
„Das Parfum“ – Ich las es das allererste Mal als Schülerin und war geschockt und beeindruckt zugleich, wie es der Autor nur mit Buchstaben schaffte, mir tatsächlich Interesse für die Beweggründe eines Massenmörders zu entlocken – und noch schlimmer: mich dazu bewegen konnte weiterzulesen, obwohl ich eigentlich von mir selbst nie geglaubt hätte, solche Art von Geschichte überhaupt zu lesen. Es zeigt das Können und die Möglichkeiten der Leidenschaft, Schriftsteller zu sein.

Wenn Du in Dein eigenes Bücherregal schaust – welches Genre ist hier am meisten vertreten?
Da ist wirklich fast alles dabei: Von „Niemand ist eine Insel“ bis „Harry Potter“, von Evelyn Sanders bis Thomas Mann und von Jane Austen bis Aldous Huxley. Nur Horror und Krimis kommen ein wenig zu kurz…

Mit welcher literarischen Figur würdest Du gerne einmal einen Tag verbringen?
Aktuell mit Aladdin und seiner Wunderlampe. Und wenn ich mir dann vielleicht etwas wünschen dürfte, dann wäre es ein renommierter Verlag, der meinem Roman eine Chance als gedrucktes Buch gäbe ;-)

Danke für dieses nette Interview



Dienstag, 30. Juli 2013

Teil 38

Falls du die anderen Teile dieser Geschichte noch nicht gelesen hast, findest du sie hier.


Wieder senkte Maelle ganz langsam ihren Fuß in das kühle Nass und zuckte nur kurz zusammen, als er durch die Oberfläche des Wassers brach. Als ihr zweiter Fuß ebenfalls im blau des Wassers verschwunden war, lächelte sie ihn stolz an. Er erwiderte ihr Lächeln und blickte dann über den See, der kristallklar und ruhig vor ihnen lag. Eine Libelle flog direkt auf sie zu, um im letzten Moment doch eine scharfe Kurve zu fliegen und sich am Ufer nieder zu lassen. Alles an dieser Szene war so unglaublich friedlich.
Sie saßen beide schweigend nebeneinander, blickten in die sternenklare Nacht und zum ersten Mal seit langer Zeit,
fühlte sich
Zev irgendwie wirklich glücklich. Er hatte begonnen vorsichtig über Maelles Handrücken zu streichen, ohne es wirklich bemerkt zu haben.
Sie hatte weder ihre Hand weggezogen, noch irgendetwas gesagt. Stattdessen blickte sie  mit einem sanften Lächeln au
f den Lippen noch immer fasziniert über den See. Die vielen Lichter der Glühwürmchen hatten es ihr eindeutig angetan.
Eine ganze Weile saßen sie so schweigend nebeneinander. Beide in den eigenen Gedanken versunken,
als Maelle zittrige Stimme ihn aus diesen riss. ,,Zev?“ 

Ein Glühwürmchen war zu ihr heran geflogen und hatte sich tatsächlich auf ihrem Knie niedergelassen. Zev hatte noch nie erlebt, dass eines dieser scheuen Kreaturen von sich aus so nah kam. Es folgte noch mehr seinem Beispiel und plötzlich waren sie umringt von kleinen leuchtenden Käfern. Jedoch schien Maelle keineswegs so fasziniert oder glücklich darüber zu sein wie Zev. Ihr Gesicht zeigte  zwar kein Ekel, dafür aber pure Angst. Sie starrte die kleinen Lichter um sie herum so voller Furcht an, dass Zev nicht anders konnte, als laut aufzulachen. Dies ließ alle Käfer vor Schreck gleichzeitig in die Luft stiegen und in den Nachthimmel verschwanden. Es war ein magischer Anblick. Darauf folgte eine ebenso unglaubliche Dunkelheit. ,,Oh, jetzt habe ich sie verscheucht.“ In Zevs Stimme lag echtes Bedauern. Doch Maelle strich sich nur unbehaglich über die eigenen Arme und Zev konnte ihre Gänsehaut selbst in der Dunkelheit gut erkennen. ,,Das macht gar nichts.“ Noch immer zitterte ihre Stimme leicht. ,,Wie kannst du Angst vor Glühwürmchen haben?“ Ihr Blick war vernichtend.
,,Ich habe keine Angst. Ich mag sie nur nicht besonders.“
Spöttisch blickte Zev zu ihr herüber. ,,Nur Glühwürmchen oder generell keine Insekten.“ Vorsichtig zog sie ihre Füße
aus dem Wasser und ließ sie in der Luft abtropfen. 

,,Ja, ich besitze auch Fehler.“
Zuerst dachte Zev, sie wäre tatsächlich wütend, doch dann zwinkerte sie ihm lächelnd zu. ,,Maelle kann ich dich etwas fragen?“ Nun saß sie ihm zugewandt. Maelles Arme umfassten ihre Knie und ihre nackten Füße lagen zwischen ihnen.
,,Klar, alles was du möchtest.“ Sie legte ihren Kopf sanft auf die Knie und lächelte zu ihm herüber. Ihre grünen Augen strahlten in der Dunkelheit. Er lehnte sich etwas zu ihr herüber. ,,Warum hast du es gerade auf mich abgesehen?“  


 Copyright © Julia

Montag, 1. Juli 2013

Teil 37


Falls du die anderen Teile dieser Geschichte noch nicht gelesen hast, findest du sie hier.

Bevor er etwas sagen konnte, nahm sie seine rechte Hand und bedeute ihm mit ihrer freien weiter zu gehen. Lachend tat er wie geheißen, ging nun aber langsamer und achtete darauf Maelle nicht über zu unebenes Gelände zu führen. Das Rauschen hörte er schon lange bevor man etwas von dem Fluss sehen konnte. Auch 
Maelle brauchte noch einige Meter mehr, bevor sie inne hielt.
,,Ist das ein Fluss?“ Er lächelte. ,,Komm weiter. Wir sind gleich da.“ Zev trat zuerst auf die kleine Lichtung, die weniger eine Lichtung, als ein kleiner See war. Der Fluss schlängelte sich oberhalb durch den dichten Wald und ergoss sich hier in einem kleinen rauschenden Wasserfall in diesen großen Teich. Das Wasser lag kristallklar und vollkommen ruhig vor ihnen danieder. Auf dem See tanzten unzählige kleiner Lichter. Es war alles zu märchenhaft, um wirklich war zu sein. ,,Wow.“ Maelle trat einen kleinen Schritt weiter darauf zu. ,,Sie sind wunderschön.“ Vorsichtig und so leise wie möglich gingen sie näher an das Wasser heran. 
Zev hatte sich hinter Maelle gestellt, deren Füße das Wasser beinahe berührten und beugte sich zu ihr heran. Er stand so nah, dass seine Brust beinahe ihren Rücken berührte. Seine Hände umfassten vorsichtig ihre Schultern, als er ihr ins Ohr flüsterte. ,,Wusstest du das dieser Wald magisch ist.“ Maelle setzte an etwas zu sagen, doch stattdessen atmete sie nur ein und ließ ihren Mund wieder zuklappen. 
,,Der See soll heilende Kräfte besitzen. Einst, so sagt man lebte hier eine Wassernymphe, die jeden der es wagte in die Nähe ihres Sees zu kommen, hinab zog.“ Maelle zog ihre Füße vom Wasser weg, wodurch sie noch näher an ihn heran rückte. ,,Keine Sorge.“ Seine Worte waren nur ein Flüstern. ,,Sie ist schon lange tot.“ Er drehte sie sanft etwas nach links und zeigte mit seiner Hand in den Wald hinein. ,,Und da hinten, dort wo der Fluss am breitesten ist, da hatte die Ente einst Hänsel und Gretel hinübergebracht.“ Ein leichtes Lachen schüttelte ihren zarten Körper. ,,Glaubst du mir etwa nicht?“ Während er einen Schritt zurücktrat, fasste er sich theatralisch an die Brust, wodurch Maelle nur noch mehr lachen musste. ,,Aber natürlich glaube ich dir. Das heißt, dass das Lebkuchenhaus ja auch hier irgendwo stehen muss oder?“ Sie blickte sich suchend um. ,,Ich würde nämlich langsam etwas Hunger bekommen.“ 
Auf einmal wurde Zev ganz ernst und beugte sich zu ihr herüber. ,,Weißt du denn nicht, dass eine menschenfressende Hexe darin wohnt?“ Maelle stemmte ihren Hände in die Seiten. ,,Hast du denn das Märchen nicht richtig gelesen? Sie wurde doch im Ofen gebacken.“ Er kam wieder näher zu ihr heran, so das Maelle zu ihm aufblicken musste. 
,,Mit Märchen ist das so eine Sache. Du solltest niemals alles glauben, was sie dir weiß machen wollen.“ Zev sah, wie sich eine Gänsehaut über Maelles Arme zog. ,,Na komm“ In seiner Stimme lag ein Lachen, dass er lange nicht mehr so gehört hatte. Er nahm ihre Hand und ging zu einer flacheren Stelle des Sees, um sich dort auf einen Stein zu setzten und seine Schuhe auszuziehen. Sie blickte von oben auf ihn herunter, nicht sicher, was sie tun sollte. ,,Das Wasser tut dir nichts, keine Sorge.“ Langsam ließ er seine nackten Beine ins kalte Wasser gleiten. ,,Ich habe doch schon erwähnt, dass der See heilende Fähigkeiten hat. Das wird deinen Knöchel gut tun.“ Vorsichtig setzte sie sich neben ihn. Als sie den Halbschuh von ihrem Fuß zog, zuckte sie kurz vor Schmerzen zusammen. Sie schien sich doch mehr wehgetan haben, als es den Anschein gehabt hatte. Hätte er das gewusst, dann wäre er nie weiter gegangen. Langsam ließ sie ihren Fuß hinein gleiten und kaum war er abgetaucht, zuckte sie erschrocken zurück. ,,Das Wasser ist ja eiskalt.“ Zev brach in schallendes Gelächter aus. ,,Natürlich ist es kalt.“ 

 Copyright © Julia

Montag, 17. Juni 2013

Teil 36


Falls du die anderen Teile dieser Geschichte noch nicht gelesen hast, findest du sie hier.

Bevor er antwortete sah er sie lange einfach nur an. In gewisser Weise war es ja genau das was er wollte, als er sie hergebracht hatte. Dennoch viel es ihm unglaublich schwer über seine Vergangenheit zu sprechen. Noch nie hatte er jemanden davon erzählt. 
Noch nie hatte sich jemand dafür interessiert. Wie viel konnte er erzählen? Wie viel durfte er erzählen, ohne dass sie ihn für verrückt hielt.
 Er fürchtete, dass sie einfach gehen würde, wenn er ihr alles erzählte. Oder noch schlimmer, dass sie ihm glauben würde. Dann nämlich würde, ja musste sie ihn einfach hassen. Er hasste sich ja selbst für all das, was er getan hatte. 
Irgendwann stand er auf und reichte Maelle seine Hand. ,,Komm mit. Wir machen einen kleinen Spaziergang.“ Irritiert griff sie nach seiner Hand und ließ sich ohne Widerstand auf die Füße ziehen. Plötzlich stand sie direkt vor ihm. Viel zu nah. Zevs Atem stockte, als er ihren Duft ein sog. Ihr Haar roch nach Schokolade und Minze. 
So wie alles an ihr irgendwie einzigartig und besonders war, so war es selbst ihr Duft. Zev fragte sich, woran Maelle wohl in diesem Moment dachte und er wäre gerne mutig genug, sie zu fragen. War er aber nicht. Stattdessen trat er einen Schritt zurück. Maelle hatte ihren Blick nach unten gerichtet. 
Sie lächelte. 
Die Sonne war bereits untergegangen und hatte den Wald in absoluter Dunkelheit zurückgelassen. Sie ging neben ihm her und Zev spürte, dass sie besonders darauf achtete ruhig zu atmen. Er sprach sie nicht darauf an, sondern ging, den schmalen Pfad folgend immer tiefer in den Wald. 
Zev hatte ein genaues Ziel vor Augen, doch das verriet er ihr nicht. Schließlich sollte es eine Überraschung sein. Plötzlich endete der Pfad vor einem kleinen Brunnen, der dort bereits stand, so lange Zev denken konnte. Früher war er überlebenswichtig für sie gewesen, doch heute lag er ausgetrocknet und verlassen da. Ohne anzuhalten bog Zev rechts ab und marschierte in den Wald hinein. Er war bereits einige Meter voran gegangen, als er bemerkte, dass Maelle ihn nicht begleitet hatte. 
Völlig verloren stand sie am Rand des Weges und blickte irritiert zwischen die dunklen Tannen hindurch. Zev kam sofort zu ihr zurück und blieb direkt vor ihr stehen. ,,Alles in Ordnung?“ Ein scheues Lächeln huschte über ihr Gesicht, als sie leicht nickte. Kurz überlegte Zev ob es nicht klüger wäre zurück zu gehen, scheinbar hatte sie wirklich Probleme mit dem Wald. Ja sogar eine, für ihn unerklärliche Angst davor. 
Doch stattdessen folgte er einem Impuls und ergriff ihre Hand, um  sie sanft weiter hinein  zu ziehen. Ohne den geringsten Widerstand ließ sie sich von ihm führen. Keiner von beiden sprach, während er sie durch die Wirrungen des Waldes führte. 
Er bewegte sich schnellen Schrittes und ohne irgendwelche Probleme hindurch. Schließlich war dies seine Heimat. Er kannte jeden Ast und jeden Stamm und wusste wie er den einzelnen Felsen und Sträucher ausweichen musste. 
Maelle hingegen hatte deutlich mehr Probleme. Sie stolperte ziemlich häufig und als sie tatsächlich beinahe einmal hinfiel, konnte Zev sie gerade so auffangen. 
Dennoch hatte sie sich irgendwann ohne etwas zu sagen auf einen umgefallenen Stamm gesetzt und atmete unruhig. ,,Tut mir leid, ich hätte nicht gedacht, dass du den Wald so fürchten würdest. Wir können auch zurückgehen.“ Er kniete sich neben sie und blickte besorgt in ihr rot verfärbtes Gesicht. Maelle blickte ihm fest in die Augen, als sich überraschenderweise ein Lächeln auf ihre Lippen formte. ,,Ich habe doch keine Angst vor dem Wald.“ Sie rieb ihren Knöchel. ,,Ich bin einfach trotteliger als du. Lass uns weitergehen. Jetzt bin ich noch gespannter was du mir zeigen möchtest.“ Sie sprang auf ihre Füße, wodurch sich ihr zauberhaftes Gesicht für einen Augenblick in einen schmerzverzerrte Grimasse verwandelete. ,,Aber bitte etwas langsamer." Als Zev ungläubig die Augenbrauen hob, lächelte sie ihn schief an. 


  Copyright © Julia

Donnerstag, 6. Juni 2013

Teil 35


Falls du die anderen Teile dieser Geschichte noch nicht gelesen hast, findest du sie hier.


,,Du bist aber nicht oft hier oder?“ 
Nachdem er die Tasche abgestellt hatte, kam er zu ihr herüber und setzte sich auf die andere Seite des Spinnrades. ,,Ich bin hier aufgewachsen.“ Verblüfft weiteten sich ihre Augen und sie schaute sich noch einmal genauer um. ,,Es ist schon etwas länger her.“ Ein sanftes Lächeln schlich sich auf seine Lippen. Das Rad drehte sich unablässig zwischen ihnen beiden. 
,,Wo ist deine Familie jetzt?“ Sofort nahm dieser dunkle Fleck sein Herz wieder ein und die Traurigkeit übermannte Zev. Dies passierte jedes Mal, wenn er an seine Familie dachte. Obwohl er niemals wirklich eng mit ihnen verbunden war, so war es doch seine Familie gewesen. 
,,Sie sind gestorben.“ Maelles Mund formte ein überraschtes O, bevor sie betreten auf den Boden blickte. ,,Das tut mir Leid.“ Zev gab dem kurz vor dem Stillstand stehenden Rad noch einmal Anschwung. 
,,Es ist schon lange her. Ich war noch ein Junge. Ich erinnere mich kaum noch an sie.“ Der letzte Teil war natürlich eine glatte Lüge gewesen. Zev erinnerte sich noch genau an sie. 
Ähnlich wie Maelle jetzt hatten auch seine Schwestern neben dem Rad gesessen. Ihre blonden Haare waren immer zu dicken Zöpfen geflochten gewesen, die ihnen an der Seite herunterhingen. Umso Älter sie wurden, umso mehr veränderte sich di Frisuren. Lisa, seine älteste, hatte sich selbst die lustigsten und merkwürdigsten Zöpfe in die Haare geflochten. 
Maelle schaute ihn mit einem traurigen Lächeln an. ,,Du denkst nicht wirklich, dass ich dir das glaube?“ ,,Was?“ Er löste sich aus seinen Erinnerungen und blickte Maelle in die strahlenden Augen. Sie lächelte noch immer, während sie das Rad wieder ganz leicht drehte. 
 Maelle atmete einmal tief ein. ,,Meine Mutter, sie ist gestorben, als ich noch sehr jung war. Ich habe sie leider nie kennen gelernt.“ Jetzt war es Zev der sie betroffen und überrascht ansah.
Ein solches Geständnis hatte er nun wirklich nicht erwartet. 
,,Aber meine Brüder und beide erzählen noch heute von ihr. Sie wissen noch jedes kleinste Detail.“ Langsam stand Maelle auf und kam zu ihm herüber. 
,,Damit meine ich nicht einmal ihr Aussehen, dass kenne ich auch nur zu gut. Nein ich meine die Erlebnisse und Ereignisse, die sie mit ihr geteilt haben. Dinge die, wenn man sie erlebt, als unwichtig betrachtet. An genau so etwas erinnern sie sich und haben mir ganz oft davon erzählt.“ 
Das Spinnrad hatte endgültig aufgehört zu drehen, als Maelle sich neben Zev setzte. 
,,Möchtest du mir von deiner Familie erzählen?“ 

Copyright © Julia

Mittwoch, 22. Mai 2013

Teil 34


Falls du die anderen Teile dieser Geschichte noch nicht gelesen hast, findest du sie hier.

Die Formulierung machte Zev stutzig. Es klang, als wäre es nicht nur ein einfaches Verbot gewesen, sondern etwas viel Größeres und Weitreichenderes. ,,War es denn ein schlimmes Unglück?“ Maelle drehte sich mit erschreckend ernstem Gesicht zu ihm um. ,,Das Schlimmste was hätte passieren können.“ Zevs Augen weiteten sich. Ihm kamen plötzlich so viele Bilder in den Sinn. So viele schreckliche Szenarien, dass er unwillkürlich einen Schritt zurück trat.
Unsagbar schreckliche Bilder.
Erinnerungen.
Alles Unglücke, die er zu verantworten hatte.
Wenn ihn diese Szenen einholen, was in letzter Zeit häufiger geschah als früher, dann begann er, wie jetzt auch sich selbst gut zuzureden.
Immer wieder zu sagen, dass dies ein anderes Leben war. Eine andere Zeit. Ein anderes Ich. Er hatte sich geändert.
Eine Ewigkeit hatten sie einfach nur dagestanden. Beide ihren eigenen Gedanken und Erinnerungen nachhängend. 
Zev hatte nichts sagen können. Hätte die Stille nicht unterbrechen können. Zu sehr drückte ihm die Erinnerungen die Kehle zu. 
Erst als er sich wieder beruhigt hatte und seine Lungen langsam wieder mit erfrischender Luft füllen konnte, riss er auch Maelle aus ihren Gedanken.
,,Dir?“ Seine Stimme zitterte dennoch leicht.
Maelle schreckte auf und ihre weiße Haut wurde puderrot. ,,Tut mir leid, ich war plötzlich ganz woanders.“ Zev erwiderte ihre Röte mit einem leichten Lächeln. 
,,Nein, mir ist nichts passiert.“ Maelle stand wartend neben dem Auto, als Zev den Kofferraum öffnete. ,,Meine Schwägerin. Sie hatte einen Unfall.“ Er griff nach Maelles Tasche und warf sie sich über die Schulter.
,,Das tut mir leid.“ Mit einem viel zu lauten Knall schloss sich der Kofferraumdeckel. ,,Standen ihr euch sehr nah?“ Ihr Gesicht spiegelte eine unsagbare Traurigkeit wider. ,,So nah, wie Schwestern.“ Zev stand dort, vollkommen hilflos. Er wollte sie trösten, doch er wusste nicht wie. ,,Das tut mir leid.“ Zev wusste nicht, was er sonst sagen sollte, um sein Mitgefühl auszudrücken. Er hatte das vorher noch nie gemacht. 
Maelle zuckte leicht mit den Schultern. ,,Es ist schon so lange her und sie selbst hatte mir beigebracht nicht in der Vergangenheit zu verharren, sondern die Zukunft in Angriff zu nehmen.“ Maelles Augen straften ihrer Worte Lügen. Doch sie wollte nicht weiter darauf eingehen und streckte ihre rechten Hand aus, um ihm den Rucksack abzunehmen, womit das Thema beendet war.  Zev stapfte an Maelle vorbei, die ihn zuerst skeptisch ansah und dann kopfschüttelnd hinter ihm ins Haus ging.
,,Also ich hoffe du hast nicht zuviel erwartet.“ Maelle trat durch die kleine Tür ins Haus. ,,Ich habe gar nichts erwartet.“ Als Maelle sich umblickte, starrte Zev sie erwartungsvoll an. Langsam trat sie einen Schritt nach dem anderen in die kleine Hütte hinein, die früher für seine ganze Familie Platz geboten hatte. 
,,Es ist schön hier.“ Maelle ließ sich neben dem Spinnrad fallen, als wäre es das natürlichste der Welt und begann das staubige Rad langsam zu drehen. 
 Copyright © Julia

Mittwoch, 15. Mai 2013

Teil 33


Falls du die anderen Teile dieser Geschichte noch nicht gelesen hast, findest du sie hier.


Sie hatte ihren Blick gesenkt und schien, mit dem Ring spielend in ihrer Erinnerung zu versinken. 
,,Was ist passiert?“ Noch immer den Ring drehend, antwortete sie ihm mit leiser Stimme.
 ,,Sie ist gestorben. Kurz nach meiner Geburt.“ Maelle lehnte sich wieder zurück und blickte gerade aus, auf die dahin ziehende Straße. 
,,Das tut mir leid.“ Langsam schloss Maelle ihre Augen und lehnte ihren Kopf gegen den Sitz. So saß sie von ihm abgewandt, den letzten Sonnenstrahlen jedoch zugewand da.  Zev hätte sich in diesem Anblick verlieren können, wenn er sich nicht auf die Straße hätte konzentrieren müssen. ,,Wohin entführst du mich eigentlich?“ Ihre Stimme wirkte schläfrig. ,,Weit weg in eine andere Welt, voller Geheimnisse und Magie.“ 
Erschrocken für sie hoch und öffnete ruckartig die Augen. Mit einem mal war sie wieder vollkommen wach. ,,Wo soll das denn sein?“ In ihrer Stimme klang die Skepsis stark durch. Zev grinste, während er das Auto auf einen kleinen Feldweg lenkte. 
,,Im verwunschenen Wald natürlich.“ Dabei zeigte er aus der Frontscheibe hinaus auf den Wald, der sich dunkel und mächtig am Horizont erhob. ,,Sehe ich das richtig, dass du mich bei unserem ersten Date nachts in einen Wald entführst?“ 
Ihre Stimme war unglaublich ernst und ihm schoss sofort der Gedanke ins Bewusstsein, dass es, so wie sie es aussprach wirklich nicht nach einer guten Idee klang. Als er jedoch das Tempo drosselte und sie fragen wollte, ob er umkehren solle, blickte Zev in Maelles breit grinsendes Gesicht. ,,Du hast ja deine Steine mitgebracht.“ Ihr schallendes Lachen erklang ,,Ganz genau.“ Der dunkle Wald umschloss das Auto gänzlich, als der Feldweg sich in einen noch engeren Waldweg verwandelte. Die letzten Sonnenstrahlen wurde vollkommen von ihm verschluckt. ,,Magst du Wälder?“ Zev nickte, als er das Auto durch die letzte Biegung manövrierte. ,,Ich bin in einem aufgewachsen.“ Die Hütte lag wie immer vor ihnen. 
Dunkel und klein schmiegte sie sich in die Umgebung ein und verschmolz so mit dem Wald. Sie sah verlassen und einsam aus, obwohl er ja erst vor einigen Tagen dort übernachtet hatte. ,,Und du? Magst du Wälder?“ Er war zuerst aus dem Auto gestiegen und hielt ihr die Tür auf. ,,Als Kind habe ich meine freie Zeit oft in dem angrenzenden Wald verbracht. Dann aber.“ Sie legte den Kopf leicht schief und blickte an der Hütte vorbei in den Wald. ,,Dann gab es ein Unglück." Sie schluckte schwer und auch Zevs Kehle wurde plötzlich trocken. ,,Vater hat dann das Betreten des Waldes verboten.“

 Copyright © Julia

Dienstag, 30. April 2013

Teil 32


Falls du die anderen Teile dieser Geschichte noch nicht gelesen hast, findest du sie hier.

Als sie plötzlich in seine Gedanken kam, verdunkelte sich sein Gesicht augenblicklich. 
Er schüttelte den Kopf. Heute wollte er nicht an sie denken. 
Die heutige Nacht wollte er sich von keiner Erinnerung zerstören lassen. 
Genau um neunzehn Uhr kam er mit seinem kleinen Auto vor dem Universitätsgebäude an. 
Er bog um die Ecke und dort stand sie. 
Völlig entspannt lehnte sie gegen die Mauer, blickte auf ihre Hände, welche einen großen Rucksack hielten und wog sich leicht im klang der Musik, die sie über ihre Kopfhörer empfing. Bei dem Anblick war Zev augenblicklich irgendwie enttäuscht.
 Er selbst war so aufgeregt gewesen, schließlich war es sein erstes richtiges Date gewesen und sie war die Ruhe selbst. 
Date, er musste schmunzeln, welch ein neuartiges Wort. Früher wäre ihm dieses nicht einmal in den Sinn gekommen. 
Als er vor ihr abbremste und zum Halten kam, lächelte sie ihn fröhlich an. 
Zev stieg aus und kam auf Maelle zu, doch einen halben Meter vor ihr blieb er abrupt stehen, als ihm klar wurde, dass er sich keine Gedanken darüber gemacht hatte, wie er sie begrüßen sollte. 
,,Du bist aber äußerst pünktlich.“ Ihr Lächeln war ungebrochen und er musste es einfach erwidern. ,,Bist du bereit für einen kleinen Ausflug?“ 
Zev nahm ihr den Rucksack ab, der noch schwerer war, als er gedacht hatte. 
,,Was hast du denn hier drin, Steine?“ Maelle lachte laut auf, als sie ins Auto stieg. 
,,Genau, damit ich mich wehren kann, falls du mich entführen willst.“ Er setzte sich an Steuer und ließ den Motor aufheulen. 
,,Da könnten dich ein paar Steine aber auch nicht beschützen.“ 
Das Auto setzte sich langsam in Bewegung und Zev dirigierte es aus dem abgeschlossenen Universitätsgelände. 
,,Ich kann sehr gut zielen.“ Jetzt war er es der auflachte. ,,Aber kannst du auch gut werfen?“ 
Ihr Hände ruhten, sich umschließend auf ihrem übereinander geschlagenen Beinen. 
Ihm fiel auf, dass sie einen silbernen Ring trug, der mit einem einzigen kleinen Diamanten besetzt war. 
Es war ein wunderschönes Stück, das sehr viel von einem Verlobungsring hatte. Maelle, seinem Blick folgend, begann an dem Ring herumzuspielen. 
Ertappt drehte sich Zev wieder der Fahrbahn zu, welche jetzt mit anderen Autos gut gefüllt war.  
,,Das ist ein Familienerbstück.“ 
 Ihre Stimme wirkte sehr laut in der aufgekommenen Stille, obwohl es beinahe nur ein Flüstern war. 
,,Es ist ein sehr hübscher Ring.“ 
Im Augenwinkel sah er ein Lächeln über ihre Lippen huschen. 
,,Danke. Er hat meiner Mutter gehört.“ Daraufhin schwieg sie und auch Zev wusste nicht was er sagen sollte.

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Donnerstag, 25. April 2013

Personen: Maelle Teil 1



http://guywebster.com/images/photographs/olivia_hussey.jpg?1352595754

Daten:

Alter: 19 Jahre

Eltern: Rupert und Carina (tot)
Brüder: Edward  und  Philip
Größe: 1,63 m
Augenfarbe: grün
Haarfarbe: Rabenscharz
Charakter: Gut, Freundlich, Neugierig, Abenteuerlustig, Klug, Eigensinnig, Starrköpfig
Fähigkeiten: Bogenschießen, Reiten, Zeichnen
Besondere Merkmale: Der goldene Ring ihrer Mutter



Maelle war bereits seit einigen Wochen in der Stadt und war dort sehr unglücklich. Die erste Faszination war schnell verraucht, sie kannte niemanden und hatte nichts zu tun.
Zuerst hatte sie in einer kleinen Herberge gelebt, wo sie in Mike einen guten freund gefunden hat. Als sie jedoch in eine eigene Wohnung zog, ebbte dieser Kontakt nach und nach ab.
Da hörte sie zwei Studenten die sich über den Kurs unterhielten, der sich um Literatur, aber vor allem um Märchen und Legenden dreht. Sofort war Maelle interessiert und fragte diese, wo und wann der besagte Kurs stattfindet. 
Gleich zu der nächsten Stunde tauchte sie dort auf und begegnete Zev. 
Für sie war es Liebe auf den ersten Blick. Irgendwas war besonders an ihm, dass spürte sie sofort und so machte sie es sich zur Aufgabe sich mit ihm anzufreunden.
Umso mehr er sie wegstieß, umso mehr faszinierte er sie.
Als er sich endlich öffnete und sie eine zarte Beziehung begannen, kamen auch die Zweifel.
Darüber hinaus bemerkte sie, dass sich die Welt veränderte. Das Wetter spielte verrückt. Überall tauchten merkwürdige Phänomene auf und sie schien verfolgt zu werden.
Dann erhielt sie einen Brief von ihrem Vater, der sie aufforderte schnellstmöglich zurück zu kehren. In dieser Nacht entschied sie, Zev alles zu sagen.

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