Freitag, 15. November 2013

Sie sind wie gute Freunde oder die eigenen Kinder - Interview mit Regina Mengel


Am Mittwoch habe ich euch das wunderschöne Buch ,,Am dreizehnten Tag" von Regina Mendel vorgestellt, heute möchte ich euch die Autorin hinter diesem Werk vorstellen. Sie hat sich bereit erklärt mein kleines Interview zu beantworten.



Stell Dich doch bitte einmal kurz vor.
Ich bin 47 Jahre alt, im Herzen keinen Tag älter als 20, im Spiegel leider schon. Ich lebe in Köln, bin verheiratet mit einem wunderbaren Mann und habe ein sehr schönes Leben.

Wie bist Du zum Schreiben gekommen und wann hattest Du deine ersten Gehversuche unternommen? 
 
Wie jeder von uns, im ersten Schuljahr. Ich glaube, alles begann mit einem ‚A’. ;-). Im Grunde ist die Frage für mich kaum zu beantworten. Weil ich immer mal wieder einen Anfang gewagt habe, der dann in irgendwelchen Schubladen versandet ist. Den Schritt zu meinem jetzigen Schreiballtag habe ich erst vor 3 ½ Jahren gewagt und zu diesem Zeitpunkt bin ich es dann auch konsequent angegangen. Lernen, lernen, lernen und schreiben, schreiben, schreiben.

Wie sieht Dein Schreib-Alltag aus bzw. wie gestaltest Du das Schreiben?
Hast du eventuell auch schon Erfahrung mit Schreibblockaden machen müssen und hast Du Tipps für junge Autoren damit umzugehen?
Ich stehe morgens mit meinem Mann auf und wenn er aus dem Haus ist, setze ich mich in mein Arbeitszimmer an den Schreibtisch und fahre den Rechner hoch. Als Self-Publisher sieht mein Arbeitsalltag aber ganz anders aus, als der eines (erfolgreichen) Verlagsautors. Denn ich bin ja für alles selbst verantwortlich. Für die Werbung, dafür meinen Namen bekannt zu machen, für Covergestaltung, Korektorat, Lektorat, Klappentext. Am meisten Zeit kostet das Marketing und die Kontaktpflege – am meisten Geld, das Buch professionell umzusetzen.
Klar, kenne ich Schreibblockaden, aber sie sind bei mir eher auf die Überlast des Marketings zurückzuführen, da habe ich manchmal einfach keine Lust und keine Ruhe, mich auf mein Manuskript einzulassen. Ansonsten gehöre ich zu den AutorInnen, die vor der eigentlichen Schreibarbeit erst einmal das Buch plotten und relativ intensiv vorplanen. Erst, wenn die Figuren entwickelt sind und der Plot auf dem Papier steht, geht es los. Da habe ich immer einen roten Faden, an dem ich mich langhangeln kann.
Mein Tipp, wenn’ s stockt: Einfach mal etwas anderes schreiben, eine Kurzgeschichte z.B. oder eine Glosse. Mir hilft am besten, wenn ich das Genre meines aktuellen Manuskriptes ganz hinter mir lasse und vielleicht sogar etwas ganz Neues ausprobiere.

Wo schreibst Du am Liebsten bzw. hast Du besondere „Rituale“ beim Schreiben?
Ich schreibe ganz normal am Schreibtisch. Ich habe einen guten Stuhl, eine gute Tastatur und einen großen Bildschirm. Im Sommer gern mal mit dem Laptop im Garten. Wenn mir ganz selten mal die Decke auf den Kopf zu fallen droht, ziehe ich auch schon mal in ein Café um. Ich habe kein Ritual. Schreiben ist für mich Arbeit, auch wenn ich noch nicht davon leben kann. Aber genau das ist das Ziel, deshalb gehe ich es sehr diszipliniert an. 
 
Wie kamst du auf die Idee deines Buches? War es eher ein spontaner Einfall? Ein Traum? Oder wurdest du von etwas inspiriert?
Am dreizehnten Tag“ ist aus einem Wettbewerb für einen Kurzroman entstanden, den ich leider nicht gewinnen konnte – zu märchenhaft lautete die Begründung. Wahrscheinlich war das auch gut so, denn ich hätte es nicht geschafft, auf nur 50 Seiten eine Geschichte zu erzählen. Danach ist das Buch gewachsen. Ich habe das Konzept vollkommen umgestellt, es sind nur ein paar Grundideen geblieben, zum Beispiel die Idee zu Samuel und Zenani, bzw. zu deren Besonderheiten. Diese Idee gab es bereits in der Grundfassung. Und auch der Teeladen und Susannas Abstammung stammen daher.
 
Wie entstehen die Protagonisten Deines Buches? Sind Deine Figuren immer rein fiktiv oder lässt Du dich auch von realen Personen inspirieren?
In der Regel sind sie fiktiv. Ich denke mir die Figuren aus bevor ich mit dem Schreiben beginne. Wer sind sie, was haben sie für Eigenarten? Wie sehen sie aus und welche Motivation haben sie für ihre Handlungen.
Es kann aber vorkommen, dass sich unbemerkt Inspiration einschleicht – zum Beispiel findet sich in Susanna viel von meiner besten Freundin im Alter von 13 Jahren, insbesondere in den Szenen, in denen es um die erste Verliebtheit geht. Und den Namen Patrick habe ich wahrscheinlich auch nicht ohne Grund gewählt. Ich war als Teenager in einen sehr süßen Jungen verliebt. Und der hieß …? Dreimal darfst du raten.

Was bereitet Dir mehr Schwierigkeiten? Der Anfang oder das Ende Deines Buches?
Eindeutig das Ende. Auf zweierlei Weise. Irgendwann will ich fertig werden, zum Ende kommen und dann kürze ich ab. Deshalb muss ich dann bei der Überarbeitung den Schluss mühsam wieder ausbauen. Und auf der anderen Seite fallen mir die letzten Seiten richtig schwer, weil ich mich so schlecht von diesen lieb gewonnen Figuren trennen kann. Man lebt ja mit diesen Menschen, sie sind wie gute Freunde oder die eigenen Kinder. Als ich „Am dreizehnten Tag“ geschrieben habe, habe ich abends meinem Mann immer erzählt, was Susanna und Patrick tagsüber wieder erlebt haben. So als existierten sie tatsächlich.
 
Was hat dich zu dieser Geschichte inspiriert? Wann kam dir die Idee?
Das kann ich nicht beantworten. Eines Morgens wacht man auf und die Idee ist da.


Nach welchen Kriterien hast Du dich für dein Cover entschieden bzw. wie kamst Du auf deine Idee?
Ein passendes Cover zu finden, ist sehr schwer. Es professionell zu gestalten, noch mehr. Ich habe ewig lange nach passenden Bildern gesucht, habe bestimmt 50 verschiedene Coverentwürfe gemacht, mit ganz unterschiedlichen Motiven. Das Cover soll die Geschichte widerspiegeln, ich hoffe, das ist mir ganz gut gelungen. 
 
Wie hast Du deinen Titel gefunden?
Mit viel Hilfe von befreundeten Autoren. Wir helfen uns da gegenseitig. Es standen einige Titel zur Wahl, aber „Am dreizehnten Tag“ bekam am Ende den Zuschlag, weil es einfach wunderbar passt. Am dreizehnten Tag erfährt Susanna ihre Bestimmung – der wichtigste Tag in ihrem (neuen) Leben.



Welcher Zielgruppe würdest Du deine Bücher am ehesten empfehlen?
Das kommt auf das Buch an. Ich habe Kinderbücher geschrieben für Kinder von 5-8 Jahren. Ich habe ein Fantasybuch und eine Horrorgeschichte geschrieben für erwachsene Leser. „Am dreizehnten Tag“, so denke ich, kann jeder lesen. Aber sicherlich ist es eher ein Frauen- als ein Männerbuch, obwohl ich auch Männer kenne, denen es gut gefallen hat. Es ist ein sogenannter All-Age-Roman. Diese Bücher werden von den Verlagen gern als Jugendbuch geführt, deshalb kennen viele Leser das so. ich würde sagen: Von 11-99 Jahren ist das Buch für jeden geeignet, der es farbenfroh und magisch mag. 
 
Der Indie-Buchmarkt ist ja ein umstrittenen Thema, dennoch wächst der Markt von Tag zu Tag, was sagst Du denn dazu? Wie sind Deine Erfahrungen?
Umstritten finde ich das Thema nicht. Aber durchaus verbesserungswürdig. Je mehr der Markt wächst, desto schwieriger wird es für die Leser die gut gemachten Perlen aus dem Sumpf zu picken. Denn machen wir uns mal nichts vor, da ist wirklich, wirklich, wirklich viel Schrott dabei. Ein gutes Buch herauszubringen, kostet Geld, für das man in Vorleistung treten muss. Das scheuen viele. Uns Autoren, die wir uns um Qualität bemühen, ist das natürlich klar. Das war übrigens auch der Grund, warum ich mich von Anfang an, an Qindie beteiligt habe. Falls du www.qindie.de noch nicht kennst. Das ist die Plattform, die wir uns für die Leser ausgedacht haben. Qindie steht für Q wie Qualität und Indie. Auf der Plattform findest du nur Bücher, die definierten Standards entsprechen (frei von Rechtschreib- und Grammatikfehlern, sauber formatiert, schreibhandwerklich in Ordnung). In unseren Bücherregalen stehen eine ganze Reihe sehr guter Bücher (ich glaube inzwischen sind es fast 300). Und wir wachsen täglich. 
 
Welches Buch hat einen nachhaltigen Eindruck bei Dir hinterlassen und ist aus Deinem Bücherregal nicht mehr wegzudenken?
Michael Ende, die unendliche Geschichte. 
 
Wenn Du in Dein eigenes Bücherregal schaust – welches Genre ist hier am meisten vertreten?
Fantasy, eindeutig!

Mit welcher literarischen Figur würdest Du gerne einmal einen Tag verbringen?
Mit Alice im Wunderland. Oder mit dem Dukatenesel, dann wäre ich am Abend reich ;-)



Ich bedanke mich für dieses super Interview. Regina Mengel hat auch eine eigene Internetseite www.wortentbrannt.jimdo.com, schaut doch mal vorbei und lernt auch die anderen Werke dieser Autorin kennen. 
  
Zu guter Letzt möchte ich noch mal auf den Indie-Buchmarkt zurückkommen.  


Wie seht ihr das? 
Lest ihr Indie-Bücher und wenn ja, auf welcher Plattform kauft ihr die?  
Kanntet ihr Qindie bereits? 
Habt ihr einen anderen Anspruch an Indie-Büchern als an Verlagsüchern? 
Ich bin sehr gespannt auf eure Meinung.

  Copyright © Julia

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